Ich habe mir über das Konzept der Androgynität durch den Kopf gehen lassen. Ich bin der Ansicht, dass das Konzept der Androgynität, wie es gegenwärtig vielfach verstanden wird, u. a. auch dazu dient, Frauen zu benachteiligen. Ein Mann, der gelegentlich als Frau herumläuft, übt damit auch Macht aus, indem er signalisiert: "Ich habe so viel Macht, dass ich sogar deine Rolle annehmen kann, mich anschließend aber zurückverwandeln kann. Du hast diese Möglichkeit nicht." Frauen im Film, die die umgekehrte Verwandlung anstreben (auch in Filmen über Frauen, die Männerberufe ergreifen und in Filmen über "Körpertausch"), werden häufiger lächerlich gemacht (Die Akte Jane, Ein Offizier und Gentleman, Karate Kid 4, Yentl) und gelegentlich sogar abgeschlachtet (Boys don't cry)

The Hot Chick (2002)
In Boys don't cry geht es um den Mord an dem transsexuellen Brandon Teena, der "aufflog" und anschließend von seiner ehemaligen Jungsclique vergewaltigt und getötet wurde, da er deren Verständnis von Männlichkeit in Frage stellte. Vordergründig scheint sich der Film für Toleranz einzusetzen, greift er doch ein kontroverses Thema auf. Schaut man aber genauer hin, so handelt es sich um eine Moritat. Mach das nicht, sonst endest du wie dieses Mädchen da.
Zudem hintergründig ist die Besetzung von Brandon Teena mit der sehr anmutig wirkenden Hillary Swank. Swanks graziöses, ebenmäßiges Äußeres scheint sogar durch die Kluft des Dorfjugendlichen durch. Wer sieht in der Figur Hillary Swank, wer sieht einen Brandon Teena?
Interessant ist zudem einer der ersten Filme vom Hillary Swank, Karate Kid 4. In den ersten drei Filmen der Karate Kid-Reihe geht es um den niedlichen Daniel La Russo, der mit Hilfe eines charmanten alten Kauzes Karate lernt und dabei eine Erziehung zur Mannbarkeit oder Selbstdisziplin durchmacht. La Russos Stärke besteht nun gerade darin, dass er, anders als die Schüler der örtlichen Karateschule, seine Empfindsamkeit gerade nicht ausschaltet, sondern mit Hilfe von Meditationstechniken etc. sogar noch verstärkt. In Karate Kid 4 findet keine solche Transition statt. Der Film basiert darauf, dass Swanks Figur den "Mannbarkeitsritus" gerade nicht mitmacht, sondern stattdessen lange sog. „zickiges“ Verhalten zeigt. Zu ihren Karateübungen gehört im übrigen Walzertanz und Babysitting. Was hat Babysitting mit Karate zu tun?
In ähnlicher Weise verwandelt sich Robin Williams in Mrs. Doubtfire in die Mutter des Grauens und bringt seiner pflichtvergessenen, androgyn wirkenden Frau erstmal so richtig das Kochen und Putzen bei, obwohl er selbst vorher äußerst faul war und – wie wir vom Anfang des Filmes erfahren – als Mann weder gearbeitet noch Haushaltspflichten übernommen hat. Der "Diskriminierungsvorwurf" geht hier schlauerweise ins Leere, da der Diskriminierende ja hier kein Mann (in seiner sozialen Rolle), sondern eine "Frau" ist. Dieser Film über Transsexualität dient also nicht dazu, die Meinung über Geschlechterrollen zu ändern, sondern im Gegenteil, das Rollengefüge aufrecht zu erhalten und zu verteidigen.
In To Wong Foo stranden drei Transen in einem Wüstenkaff und zwangsverordnen allen Bewohnern ein Klima der allgemeinen Nettigkeit. Ein paar (männliche) Störenfriede werden kurzerhand von der "Frauengemeinschaft" aus dem Dorf geekelt. Frauen halten eben zusammen. Durch die Transsexuellen wird also den [biologischen] Frauen eher ein Verharren in der traditionellen Geschlechterrolle suggeriert, als daraus auszubrechen. In diesem Film wird durch die Transsexuellen somit Druck ausgeübt. Zudem dürfen die drei Wüstenköniginnen nicht auf der Dorfkirmes mittanzen, sondern gucken vom Balkon aus zu. Mann könnte sich fragen, wenn der Film angeblich die Rechte von Transsexuellen verteidigt, warum dies?
Ähnlich schlecht kommen Frauen in Filmen weg, in denen sie Männerberufe ergreifen. In Yentl ist eine Frau anscheinend als weibliche Rabbinerin ungeeignet, weil sie sich bei Tisch nicht an "Männergesprächen" beteiligt sondern lieber für das Geschirr und die Tischdecke schwärmt. In Die Akte Jane wird aus der militärischen Ausbildung einer weiblichen Rekrutin ein ungeheures Politikum gemacht, dass sich im wesentlichen darin zusammen fassen lässt, dass G. I. Jane eine Frau ist, obwohl sie die Anforderungen ganz genauso wie ihre männlichen Kollegen absolviert. In Ein Offizier und Gentleman wird die traditionelle Aschenputtel-Konstellation festgeschrieben. In diesem Film geht es darum, dass "alle" Männer in einer Militärakademie eine prestigeträchtige Ausbildung zum Kampfpiloten absolvieren, während "alle" Frauen in einer nahe gelegenen Papierfabrik für niedrige Löhne schuften. Ihr einziger Ausweg, so wird den Frauen eingeschärft, sei es, einen der Rekruten zu gewinnen, wobei sie den späteren Piloten immer zu Diensten sein müssten und bei ihnen niemals Missfallen erregen dürften. Eine weibliche Rekrutin, die sich irgendwie an die Militärakademie verirrt hat, wird die ganze Zeit vom Ausbilder drangsaliert, da sie nicht hier her gehöre. Insbesondere wird sie kritisiert, da sie ähnlich wie ein weiblicher Asperger zwar diszipliniert ist, aber eben ab und zu etwas empfindsamer reagiert.
Ein Film über drag kings bzw. Körpertausch ist die Teenagerkomödie Hot Chick, die, anders als die Filme über drag queens, als sehr schlecht bzw. von flachem Humor kritisiert wurde. In diesem Film geht es um das Mädchen Jessica, das sich in den "transsexuellen" Gärtner Taquito verwandelt und als Hausangestellter eine anders geartete Beziehung zu ihrer Umwelt und Familie aufbaut. Da Jessica/Taquito Verhaltensweisen beider Geschlechter aufweist, gelingt es ihm tatsächlich, in seiner neuen Rolle akzeptiert zu werden. Objektiv betrachtet ist Hot Chick jedenfalls nicht dümmer als Filme über drag queens. Die Abneigung gegen diesen Film kann somit auch damit zu tun haben, dass das Thema insgesamt mit einem starken Tabu belegt ist. Es ist z. B. eine beliebte Idee, dass Asperger als Frauen es angeblich leichter hätten, da dies aufgrund des Gebots der Ritterlichkeit von außen so erscheinen mag. Kurioserweise scheint auch die Übernahme der Rolle der Frau sehr viel mit dem Anlegen der entsprechenden Kleidung zu tun zu haben. Wie sehen die Vorstellungen über Frauen in unserer Gesellschaft aus?
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The Hot Chick (2002)
In Boys don't cry geht es um den Mord an dem transsexuellen Brandon Teena, der "aufflog" und anschließend von seiner ehemaligen Jungsclique vergewaltigt und getötet wurde, da er deren Verständnis von Männlichkeit in Frage stellte. Vordergründig scheint sich der Film für Toleranz einzusetzen, greift er doch ein kontroverses Thema auf. Schaut man aber genauer hin, so handelt es sich um eine Moritat. Mach das nicht, sonst endest du wie dieses Mädchen da.
Zudem hintergründig ist die Besetzung von Brandon Teena mit der sehr anmutig wirkenden Hillary Swank. Swanks graziöses, ebenmäßiges Äußeres scheint sogar durch die Kluft des Dorfjugendlichen durch. Wer sieht in der Figur Hillary Swank, wer sieht einen Brandon Teena?
Interessant ist zudem einer der ersten Filme vom Hillary Swank, Karate Kid 4. In den ersten drei Filmen der Karate Kid-Reihe geht es um den niedlichen Daniel La Russo, der mit Hilfe eines charmanten alten Kauzes Karate lernt und dabei eine Erziehung zur Mannbarkeit oder Selbstdisziplin durchmacht. La Russos Stärke besteht nun gerade darin, dass er, anders als die Schüler der örtlichen Karateschule, seine Empfindsamkeit gerade nicht ausschaltet, sondern mit Hilfe von Meditationstechniken etc. sogar noch verstärkt. In Karate Kid 4 findet keine solche Transition statt. Der Film basiert darauf, dass Swanks Figur den "Mannbarkeitsritus" gerade nicht mitmacht, sondern stattdessen lange sog. „zickiges“ Verhalten zeigt. Zu ihren Karateübungen gehört im übrigen Walzertanz und Babysitting. Was hat Babysitting mit Karate zu tun?
In ähnlicher Weise verwandelt sich Robin Williams in Mrs. Doubtfire in die Mutter des Grauens und bringt seiner pflichtvergessenen, androgyn wirkenden Frau erstmal so richtig das Kochen und Putzen bei, obwohl er selbst vorher äußerst faul war und – wie wir vom Anfang des Filmes erfahren – als Mann weder gearbeitet noch Haushaltspflichten übernommen hat. Der "Diskriminierungsvorwurf" geht hier schlauerweise ins Leere, da der Diskriminierende ja hier kein Mann (in seiner sozialen Rolle), sondern eine "Frau" ist. Dieser Film über Transsexualität dient also nicht dazu, die Meinung über Geschlechterrollen zu ändern, sondern im Gegenteil, das Rollengefüge aufrecht zu erhalten und zu verteidigen.
In To Wong Foo stranden drei Transen in einem Wüstenkaff und zwangsverordnen allen Bewohnern ein Klima der allgemeinen Nettigkeit. Ein paar (männliche) Störenfriede werden kurzerhand von der "Frauengemeinschaft" aus dem Dorf geekelt. Frauen halten eben zusammen. Durch die Transsexuellen wird also den [biologischen] Frauen eher ein Verharren in der traditionellen Geschlechterrolle suggeriert, als daraus auszubrechen. In diesem Film wird durch die Transsexuellen somit Druck ausgeübt. Zudem dürfen die drei Wüstenköniginnen nicht auf der Dorfkirmes mittanzen, sondern gucken vom Balkon aus zu. Mann könnte sich fragen, wenn der Film angeblich die Rechte von Transsexuellen verteidigt, warum dies?
Ähnlich schlecht kommen Frauen in Filmen weg, in denen sie Männerberufe ergreifen. In Yentl ist eine Frau anscheinend als weibliche Rabbinerin ungeeignet, weil sie sich bei Tisch nicht an "Männergesprächen" beteiligt sondern lieber für das Geschirr und die Tischdecke schwärmt. In Die Akte Jane wird aus der militärischen Ausbildung einer weiblichen Rekrutin ein ungeheures Politikum gemacht, dass sich im wesentlichen darin zusammen fassen lässt, dass G. I. Jane eine Frau ist, obwohl sie die Anforderungen ganz genauso wie ihre männlichen Kollegen absolviert. In Ein Offizier und Gentleman wird die traditionelle Aschenputtel-Konstellation festgeschrieben. In diesem Film geht es darum, dass "alle" Männer in einer Militärakademie eine prestigeträchtige Ausbildung zum Kampfpiloten absolvieren, während "alle" Frauen in einer nahe gelegenen Papierfabrik für niedrige Löhne schuften. Ihr einziger Ausweg, so wird den Frauen eingeschärft, sei es, einen der Rekruten zu gewinnen, wobei sie den späteren Piloten immer zu Diensten sein müssten und bei ihnen niemals Missfallen erregen dürften. Eine weibliche Rekrutin, die sich irgendwie an die Militärakademie verirrt hat, wird die ganze Zeit vom Ausbilder drangsaliert, da sie nicht hier her gehöre. Insbesondere wird sie kritisiert, da sie ähnlich wie ein weiblicher Asperger zwar diszipliniert ist, aber eben ab und zu etwas empfindsamer reagiert.
Ein Film über drag kings bzw. Körpertausch ist die Teenagerkomödie Hot Chick, die, anders als die Filme über drag queens, als sehr schlecht bzw. von flachem Humor kritisiert wurde. In diesem Film geht es um das Mädchen Jessica, das sich in den "transsexuellen" Gärtner Taquito verwandelt und als Hausangestellter eine anders geartete Beziehung zu ihrer Umwelt und Familie aufbaut. Da Jessica/Taquito Verhaltensweisen beider Geschlechter aufweist, gelingt es ihm tatsächlich, in seiner neuen Rolle akzeptiert zu werden. Objektiv betrachtet ist Hot Chick jedenfalls nicht dümmer als Filme über drag queens. Die Abneigung gegen diesen Film kann somit auch damit zu tun haben, dass das Thema insgesamt mit einem starken Tabu belegt ist. Es ist z. B. eine beliebte Idee, dass Asperger als Frauen es angeblich leichter hätten, da dies aufgrund des Gebots der Ritterlichkeit von außen so erscheinen mag. Kurioserweise scheint auch die Übernahme der Rolle der Frau sehr viel mit dem Anlegen der entsprechenden Kleidung zu tun zu haben. Wie sehen die Vorstellungen über Frauen in unserer Gesellschaft aus?
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