Eine Stadt auf einem Berg kann nicht verborgen bleiben (Neues Testament).
"Nein, Doug", sagte sie nachdenklich. "Es gibt keine Sicherheit, nicht einmal in der Höheren Wirklichkeit, dass die körperlichen Dinge wirklich Substanz haben. Und was die Seele angeht, wer hat behauptet, dass das Geistige einer Person mit dem Physischen zusammenhängt? Wenn dass der Fall wäre, hätte ein amputierter Zwerg weniger Seele als ein aufgequollener Riese – in jeder Welt." (Daniel F. Galouyé, Simulacron-3 [The 13th Floor])
Ich habe ein Gespräch mit einem Geistlichen führen können. Ich bin sehr dankbar, dass er sich trotz seiner Belastungen Zeit für mich genommen hat. Trotzdem weiß ich nicht genau, was ich mir davon erwartet habe. Ich kann mich inzwischen schon nicht mehr erinnern, vor wem ich schon alles meinen Standpunkt dargelegt habe, wie oft ich die inzwischen schon sattsam bekannten gutgemeinten Ratschläge pariert habe, eine andere Sichtweise angeboten habe. Allmählich wird es zur Routine. Jedes Gespräch ist ein kleiner Schritt, um den Preis einer gewissen seelischen Auszehrung.
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz kraftlos wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten werde. Ihr seid das Licht der Welt … Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind.
Anscheinend war zur Zeit der Entstehung der Bibel das Problem Melancholie nicht unbekannt, aber unter einem anderen Namen:
Das Auge ist des Leibes Leuchte. Wenn nun dein Auge klar ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge verdorben ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn aber nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
Möglicherweise würden Menschen mit Transsexualität zur Konstituierung ihrer Identität einen Psychiater als Gegenspieler (advocatus diaboli) benötigen, aber wer bereits seine Identität nach außen verteidigt, ist gewissermaßen sein eigener Gegenspieler. Selbstverständlich gibt es dabei lose Enden. Irgendwann landet man auf dem toten Gleis. Aber wer kann behaupten, dass seine eigene Identität in sich absolut schlüssig ist und den Angriffen eines darauf trainierten Psychiaters ohne jegliche Abstriche standhalten würde?
Er hatte unbarmherzig gefoltert und gemordet, mit brutaler Gleichgültigkeit Reaktionswesen behandelt. Aber trug er moralisch irgendeine Schuld? Er hatte Leben auf dem Gewissen – Fuller und Collingsworth. Aber es hatte sie ja nie gegeben. Ihre einzige Wirklichkeit hatte darin bestanden, dass er ihnen durch die raffinierte Schaltung seines Simulators ein subjektives Bewusstsein verlieh.
Ich wehrte mich gegen diese demütige Haltung. Ich hatte keine Lust, für den Hall da oben als Fürsprecher aufzutreten. Er hatte gemordet – brutal und gemein. Ohne eine Spur von Mitleid hatte er diejenigen Analogwesen beseitigt, denen sich die Illusion der Wirklichkeit entschleierte. Und er hatte nicht nur Reaktionseinheiten beseitigt, sondern menschliche Wesen getötet. Denn das Bewusstsein ist der einzig wahre Maßstab des Existierens.
Cogito ergo sum, erinnerte ich mich. Ich denke, also bin ich.
So musste es sein.
(Daniel F. Galouyé, Simulacron-3 [The 13th Floor])
Erfolgreiche Aspies verkörpern häufig den Managertypus, da aufgrund ihres richtigen Geschlechts ihre Verfassung weniger auffällt. Sie haben weniger Freunde, dafür aber sehr viele Geschäftsfreunde, die ihre Schwäche überdecken. Da sie vor fremden Menschen Angst haben, werden nach innen die Familienbeziehungen durch Heimeligkeit überladen. Autistische Kinder und die Ehefrau werden durch ein double-bind aufgrund eines faktischen Machtungleichgewichts festgehalten. Deswegen haben sie als Erwachsene mehr Schwierigkeiten mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Sie suchen sich häufig übermäßig submissive Ehefrauen. Auf diese Weise pflanzt sich Autismus fort. Überlebensfähige autistische Frauen fallen hierbei aus dem Raster, und sehen sich mit sehr spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert.
Verliert aufgrund eines kuriosen Tricks der Gesellschaft ein Android seine autistische Identität, so wandelt er sich zum Blade Runner. Gleichzeitig (die Rolle des Blade Runners wird durch gesellschaftliche Zuweisung übergeben) behält er sie, da er nach Meinung der Gesellschaft entweder nur Android oder nur Blade Runner sein kann, aber nicht beides. Von seiner früheren Existenz behält ein Blade Runner seine berufswichtiges soft skill, Replikanten zu erkennen. Der Gesellschaft ist die Identifikation der Replikanten faktisch kaum möglich, es sei denn, nur durch die Anwendung des Voight-Kampff Tests. Frage: Verletzt es nun das Berufsethos der Blade Runner, mit den Replikanten Mitleid zu haben, obwohl die Replikanten selber zum Mitleid schwer fähig sind?
Autismus als Managerkrankheit
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