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20 November 2007 @ 06:52 pm
Empathie / Blade Runner  
Habe einen Science-Fiction-Schundroman namens Cyberskin aus der Bibliothek ausgeliehen, und meiner Neurologin vorgelegt.

Hab behauptet, es wäre mein neues Lieblingsbuch.

Eine krude Mischung aus Blade Runner (Menschenjagd) und Running Man (äh … Menschenjagd?)

Ich soll erst in vier Monaten wiederkommen.

Häufig gestellte Fragen ...
 
 
Current Mood: snarky
 
 
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ylvalie: Fragil[info]ylvalie on November 20th, 2007 06:18 pm (UTC)
Wobei ich immer noch nicht verstehe, weshalb sie den Termin daraufhin verschoben hat?
(Reply) (Thread) (Link)
aspergergermany: Blade Runner[info]aspergergermany on November 21st, 2007 01:11 pm (UTC)
Empathie
WICHTIG: Um den Zugriff auf meine Webseite nicht durch Internet-Zensurprogramme zu verhindern, bitte ich den Autorennamen Philip K. D*ck immer mit Sternchen zu schreiben oder abzuwandeln. Danke.


[info]ylvalie hat gefragt:
Wobei ich immer noch nicht verstehe, weshalb sie den Termin daraufhin verschoben hat?


Aber ich. Weil ich jetzt normal bin.
Und weil meine Neurologin mich jetzt wahrscheinlich ein kleines bisschen bewundert, aber das nicht zugeben würde.

Wenn ich nur noch ein einziges Mal den Satz höre, "hohe Intelligenz, aber keine Empathie" muß ich kotzen. Es ist aber sehr lehrreich, dass die [neurotypischen] Menschen die autistische Individuen so einschätzen. Insbesondere weil Empathie nicht mal ein echtes deutsches Wort ist, sondern die der allerneuste Bullshit-Begriff aus den Anglizismen der Managersprache (engl. empathy). Wir alle wissen doch, dass sich um zwischenmenschliche Bedürfnisse wie Mitgefühl und Rücksicht der extreme Kapitalismus ganz besonders sorgt.

Blade Runner (Träumen Androiden von elekrischen Schafen?) mag ich. Es ist ein gnadenloses Buch, aber die Gnadenlosigkeit ist künstlerisch angemessen um die entsetzliche Grausamkeit zu beschreiben, mit der ein Mensch in die psychiatrische Maschinerie gerät, die angebliche gesellschaftliche Überwachungs- und Bestrafungsinstanz des "Normalen", ohne sich dagegen wirklich wehren zu können, weil man plötzlich, zumindest gesellschaftlich – völlig unschuldig plötzlich als "unzurechnungsfähig" dasteht und eine abweichende Meinung plötzlich überhaupt keine Berechtigung mehr hat. Der Gedanke an Blade Runner ist mir bei meiner schweren Auseinandersetzung immer ein Ansporn gewesen. Philip K. soll selber in der Psychiatrie gewesen sein – jedenfalls hatte ich, als ich das Buch gelesen habe, das Gefühl: Hier ist einer, der versteht ganz genau, was mir dir los ist. Hier argumentiert einer vor der gesamten Welt für dich, der hat genau das Gleiche durch wie du.

Bei dem schauerlichen Gedanken an die Blade Runner, die die Unempathischen aus der Welt schaffen, damit das gesellschaftliche Wohlfühlgewicht der angeblich "Fühlenden" gewahrt wird, bin ich heilfroh, den Druck, zum Arzt zu müssen, erstmal losgeworden zu sein. Zur "Therapie" muß ich wohl doch noch, weil mein Arbeitsplatz dran hängt, aber das ist erstmal kein überwältigend drängendes Problem.

Andererseits habe ich wahrscheinlich meine Neurologin falsch eingeschätzt, da sie mir von allen Beraterpersonen die ich bisher aufsuchen mußte, für meine Asperger-Natur wahrscheinlich einen Funken echte Achtung entgegen bringt. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

Was Running Man angeht, das ist ein wenig geschmacklose Unterhaltung. Ich mag Stephen King nicht. Aber wenn ich mir anschaue, wie viel "normale" Leute Gefallen an sadistischen Reality-Shows finden, habe ich wirklich meine Zweifel, ob Menschen mit einer vorhandenen neurobiologischen Mitleidsreaktion wirklich von Natur aus soviel gefühlvoller sein sollen, wie die akademische Medizin behauptet.

Vielen Dank für Dein Interesse.
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