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aspergergermany
21 June 2024 @ 12:55 am
Asperger Fun: The pervasive and complex developmental disorder of ...  
After the hugely successful Du bist Deutschland campaign, the Federal Ministry for the Protection of Flowerpots, Emotionally Handicapped and Diarrhea Prevention, in cooperation with Aktion Mensch has started a new social integration campaign, this time addressing the specific needs of Aspergers. This has been achieved by the government in order to fulfill its constitutional task of equal rights protection for the emotionally handicapped and sexual minorities as prescribed by Article 3 Par. 3 of the Grundgesetz in combination with § 2 of the Ninth Book of the Code of Social Laws (autism as emotional handicap).

Here's the winning advertisement:



***
Loads of rambling in German
 
 
aspergergermany
29 March 2008 @ 02:16 pm
Asperger und Autofahren (Pro hyper male brain hypothesis)  

Take it to the edge
There's nowhere to hide
Let's call up the void
Let's go for the joyride

Grand Theft Auto I, Eröffnungstitel





Pro hyper male brain hypothesis - zum besseren Schutze der Asperger vor Chauvinismus in Medizin und Gesellschaft


Anscheinend müssen wir Frauen weiblich geborenen Asperger wohl immer alles etwas weiblicher serviert bekommen, in rosa Pillen mit Zuckerguss, damit wir es auch schön schlucken. Von Verteidigerinnen "autistischer Frauenrechte" wird unter anderem behauptet, dass die hyper male brain hypothesis anscheinend nicht zutreffend sei, da doch Asperger so schlecht Auto fahren und alles was gut Auto fahren kann, ja demzufolge ein Mann sein muss. Obwohl ich die hyper male brain hypothesis inzwischen differenzierter betrachte, halte ich sie immer noch für die stärkste und einzige Argument, um im Zweifel eine wirksamere medizinische Behandlung weiblicher Asperger anregen zu können.


Autismus und Autofahren )
 
 
Current Mood: accomplished
 
 
aspergergermany
26 March 2008 @ 11:48 am
Erin Brockovich etc.  

"Amphibion du, das in zwei Elementen stets lebet,
Schwanke nicht länger
und wähle dir endlich
ein sichres Geschlecht."

(Heinrich von Kleist)



This made no sense. Maybe it was only their souls, not their brains, that were so different? The one article he'd been sure was a man's work turned out to be by a Betan hermaphrodite, a sex which hadn't even existed when the Founding Fathers had fled to Athos, and where did they fit in? He lost himself for a while, imagining the flap in Athosian Customs should such a creature present itself for entry … (Lois McMaster Bujold, Ethan of Athos)


Nach der Verteidigung der Identität und der schleichenden Abwandlung des Leibes (der Leib ist die mentale Projektion des Körpers, vgl. in etwa Phantomschmerz bei Beinamputierten) folgt nun der Schritt, ein Geschlecht für andere zu sein. Ich habe bisher bei jedem Schritt gesagt, es wäre der härteste, und wahrscheinlich werden die Anforderungen bei jedem Schritt höher. Diese Phase, ist wie jede, kritisch, aber sie greift zurück auf vergangene Erlebnisse. Es ist verdammt schwer, diese Phase ohne Rückfall schlüssig zu gestalten.

Als Frauen Geborene haben dabei das Problem, dass sie, ohne es zu wollen, anatomische Zeichen der Bedürftigkeit mit sich herumtragen. Eine Frau, die ein weibliches Kind gebiert, ist immer zugleich Zeugende und Gezeugte. Nach dem Grundsatz der Selbstähnlichkeit kann man Mutter und weibliches Kind in gewisser Weise "vertauschen", und auch Enkelin, Mutter, Großmutter sind in gewisser Weise "austauschbar". Deswegen bilden Frauen eher organisatorische Ringe und weniger Hierarchien.

Ein Sohn hingegen hat nur einen Vater und genau einen Vater. Ihre Rollen sind auch nicht austauschbar. Man könnte z. B. im Christentum die Rollen von Sohn und Vater nicht vertauschen, ohne dass Blödsinn herauskäme.

Jemand hat mir die sehr schlaue Frage gestellt, warum die hyper male brain hypothesis nicht die potentielle Hyperemotionalität autistischer Männer erkläre. Ich kann diese Frage erst in meinem jetzigen Gesundheitszustand versuchen zu beantworten. Ich bin nach eingehenden Betrachtungen der Ansicht, dass männlich und weiblich geborene Asperger mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben und in erster Linie Asperger sind. Da wir aber kulturell auf einem Auge blind sind, greifen gegenüber weiblich geborenen Aspergern viel härtere Sanktionsmaßnahmen, so dass es in erster Linie die weiblich geborenen Asperger sind, die Schützenhilfe durch die Wissenschaft brauchen. Irrtum vorbehalten, aber männlich geborene Asperger schlagen sich in ziemlich vielen Fällen unerkannt und erfolgreich von alleine durch, weil überhaupt niemand auf die Idee käme, sie für Asperger abzustrafen.

Jedenfalls ist es für mich nicht einfach, mich schlüssig und unwiderruflich auf nur ein Geschlecht festlegen zu müssen. Betroffene, die die geringste Unstimmigkeit aufweisen, werden in den Topf "Geschlechtsidentitätsstörung" geschmissen und "zu ihrer eigenen Heilung" totgequatscht. Ich lass mich gern korrigieren, aber meines Wissens hatten die Androgynen noch im Allgemeinen Preußischen Landrecht von 1774, wohl unter dem Einfluss der Knabenverstümmelung für die höfische Oper, ihren eigenen Status. Kurz darauf kam die Aufklärung und all das Segensreiche, was wir heute noch haben. Ich lese gerade ein Werk von Kleist, der den Status Quo mit solcher Vehemenz vertritt, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob er sich in seinem krampfhaften Machismo selber über sich nicht so ganz sicher war. Es wäre das Schlimmste für einen "Heranwachsenden" wie mich, vergleichbar zu enden, insbesondere, da die überzogene Vertretung der Identität die Unauthentischen unter den Authentischen lebenslang verrät.

Ich habe mal einen Film mit Julia Roberts angesehen, Erin Brockovich. In diesem Film ging es um einen vertuschten Umweltskandal, der zu katastrophalen Krebsfällen führte. Eine Schauspielerin stellte eine Patientin dar, der aufgrund einer Chromvergiftung sämtliche Geschlechtsmerkmale chirurgisch entfernt werden mussten. Sie fragte Julia Roberts' Figur, ob sie dann noch eine richtige Frau wäre, und "Julia Roberts" gab ihr eine freundliche Antwort. Welche Antwort hätte ihr diese Abgöttin des gehobenen Zickentums, die wahrscheinlich für die meisten Frauen als Identifikationsfigur dient, mit ihrer makellosen Gestalt auch sonst geben sollen?

Vielleicht ist es ja jene unstillbare, bohrende, unweibliche Asperger-Neugier in mir, jenes "sezierende Auge", aber auf die Antwort auf jene eine Frage warte ich heute noch.

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17 March 2008 @ 04:41 pm
Mutantenkinder  

Don't tell us you need us
'Cause we're just simple fools
Looking for America
Coming through your schools

Starship - We built this City




Das Mutantenkind soll sich mäßigen. Es lebe der Unterschied zwischen valids und invalids. Dumm nur, wenn ein invalid mit der genetischen Aufmachung eines valids ausgestattet ist.

Ich dachte immer, dass vorgefasste Meinungen dazu da wären, geändert zu werden. Offensichtlich werden sie gebraucht. Die valids als die Stars und die invalids am Katzentisch. Ich hätte machen sollen, was meine Therapeuten und meine Neurologin gesagt haben. Sich angepasst verhalten. Meine Neurologin hat heute früh das Handtuch geworfen. Weitestgehend genesen bin ich dank der Hilfe außergewöhnlicher Leute über Nacht.

Morgen muss ich zum Pfarrer. Ich kann nur hoffen, dass im Hause Gottes für invalide valids mehr Platz ist.

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07 March 2008 @ 07:39 am
Studie: Antidepressiva unwirksam  
Eine neue wissenschaftliche Studie kommt auf der Basis von Dokumenten der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zu dem Ergebnis, dass auch die neueren Antidepressiva "allenfalls bei sehr schweren Depressionen" stärker wirken als Placebos.

Das tut eine Flasche Schnaps auch.

In der Laienpresse wurden die Ergebnisse dahingehend interpretiert, dass die "Glückspillen" wirkungslos sind.

Sie sind doch wirksam, weil die Leute daran glauben. In meiner Familie ist Autismus/Depressionen ein heißes Eisen, weil wir nach außen ein wenig etepetete sind. Deswegen bekommt in unserer Familie niemand Melancholie. Dafür hat man bei uns jede Menge anderer Krankheiten, ungefähr jede dritte Woche eine neue. Üblicherweise sind dies Krankheiten, die sehr gefährlich sind und eine langwierige medizinische Anteilnahme voraussetzen. Ganz oben auf der Hitliste stehen Darmkrebs und Chirurgie der Halswirbel.

Die veröffentlichten Studienergebnisse zeigen im Grunde nichts wirklich Neues. Denn zahlreiche Studien belegen, dass sich die Wirksamkeit eines Antidepressivums desto ausgeprägter von Placebo abgrenzt, je schwerer die Depression der untersuchten Patienten ist. Diese Beobachtung haben Kirsch und Mitarbeiter nun an Zulassungsstudien, die der FDA vorgelegt worden waren, bestätigt. Die Autoren interpretieren die Ergebnisse dahingehend, dass dabei die signifikante Überlegenheit der Antidepressiva gegenüber Placebo einer abnehmenden Wirkung von Placebo bei zunehmend schwerer Depression zuzuschreiben sei. Auch dies ist seit langem bekannt: Placebo wirkt desto weniger, je schwerer die Depression ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) widerspricht in einer aktuellen Stellungnahme entschieden der Interpretation, dass Antidepressiva selbst bei schweren depressiven Erkrankungen keine klinische Wirkung im Sinne eines Nutzens für die Patienten erzielten ...

Überraschung.

... Allein vor dem Hintergrund der Suizidgefahr, die für viele Betroffene mit einer Depression einhergeht, sei für die DGPPN die Option einer Therapie mit Antidepressiva unverzichtbar.

Allein vor der sehr ernstzunehmenden unzweifelhaft höheren Suizidgefahr unerkannt Hochbegabter sollte es besser anzuraten sein, den Betroffenen mal zuzuhören und mal zu versuchen, sich in das reinzuversetzen, worüber die Betroffenen klagen. Gleiches gilt für die Suchtgefahr bei Aspergern und die abstrakt gegebene Gefahr geistiger Umnachtung, die Stimmungsschwankungen und die Hypochondrie.

Ich denke also bin ich.

Asperger ist keine Krankheit aber ein gesellschaftliches Problem.

Wer heilt hat recht.


Quelle der Studie:
Kirsch, I.; et al.: Initial Severity and Antidepressant Benefits: A Meta-Analysis of Data Submitted to the Food and Drug Administration. PLOS Medi-cine (Public Libarary of Science Medicine, Bd. 5, e45, (2008).

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13 February 2008 @ 11:09 am
Noch einmal: Autismus bei Frauen  
Autismus bei Frauen )



Quelle: Englischsprachige Wikipedia

Wir unterstellen, nun, dass das Kind krank ist, weil es gern ordentlich spielt, wir aber möchten, dass es lieber unordentlich spielen soll. Warum ist es dann bei autistischen Frauen genau anders herum, dass gerade die Chaotinnen als autistisch auffallen, die Ordnungsfanatikerinnen jedoch niemand als krank ansehen will?

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11 February 2008 @ 09:50 pm
Neues von der Aspergerfront  
Mein Berater ist krank. Letzten Donnerstag, als ich mit ihm gesprochen habe, sah er noch stockgesund aus. Ich kann natürlich nur nicht zu bestätigende Vermutungen anstellen, aber letzten Donnerstag habe ich in seinem Beratungszimmer gesessen und die große Menschenrechtsansprache gehalten. Wir sind nicht verrückt. Wir sind eine 'neue Art' von Menschen. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach handelt es sich nämlich bei Asperger nicht um eine Geisteskrankheit, sondern in den allermeisten Fällen um eine subtilere Form der Transsexualität. Wahrscheinlich habe ich meinen Berater damit einfach von den Socken gehauen. Denn wenn man einer Person, die sich durch eine Operation an ihr Wunschgeschlecht annähert, bestätigt, "Jetzt bist du wirklich Mann/Frau", dann schwingt darin immer ein gewisser Grad gemeinsame Fiktion mit.

Das Wunschgeschlecht ist ein Idealbild, dem man immer nur nachjagen kann, das man aber nicht wirklich erreicht. Ein Berater, der nun professionell "zu operierende Transsexuelle" berät und ihnen durch gemeinsame Übereinkunft ihr Wunschgeschlecht bestätigt, erleidet wahrscheinlich den Schock seines Lebens, wenn er nun einer Person gegenübersteht, die 'tatsächlich transsexuell' (=neurologisch androgyn) ist.

Möglicherweise ist er ja nach Hause gegangen und macht sich nun Sorgen über die Asperger. Ich würde ihn jedenfalls so einschätzen und ich hoffe es. Vielleicht irre ich aber auch, und mein Berater hat lediglich einen Schnupfen, und alles was ich sonst noch gesagt habe, träfe auch sonst nicht weiter zu.

Ich habe hingegen viele freundliche Menschen kennen gelernt, für meine bescheidenen Begriffe schon fast eine Menschenansammlung. Ich habe auch endlich brauchbare Bücher gefunden, Verhaltenstips für das Coming Out von Schwulen – Themen, mit denen ich weiß nicht warum, endlich identifizieren kann. Ich kann dies nicht begründen, aber Wer heilt hat recht, lautet der älteste Grundsatz der Mediziner. Leider kann man solche Bücher auf dem bürgerlichen Büchermarkt überhaupt nicht bzw. nur unter der Hand bekommen, mit so unberechtigten wie verführerischen Ruch der Schmuddelecke. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Dann sehe ich diese scheinheiligen Poster, welche eine gutbürgerliche Welt anpreisen, in der Menschen wie wir keinen Platz haben sollen. Was ist das für eine Gesellschaft, die seelisch gesunde Menschen eher in die Psychiatrie schickt, als ihnen zu helfen? Und welche gesellschaftliche Norm kann so wertvoll sein, dass sie es rechtfertigt, dass Menschen in ihrem Namen missachtet und gebrandmarkt werden, und dies alles im Namen der Menschenwürde und der Behindertenintegration?

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05 February 2008 @ 04:52 pm
Equilibrium - Killer of Emotions ( Gefühlsblindheit )  
Kennen Sie den Film Equilibrium – Killer of Emotions? Den sollten Sie wirklich mal anschauen. Es ist grauenhaft, sich das vor Augen zu halten, aber er gibt ein äußerst anschauliches Beispiel für das Leben in einer autistischen Familie ab. In jeder Familie gibt es einen, der aus der Art schlägt, bzw. das Offensichtliche nicht so gut kompensieren kann. In Equilibrium heißen diese Leute Sinnestäter oder Gefühlsverbrecher. Ein Gefühlsverbrechen zu begehen ist fürchterlich. Die anderen Menschen in der Gesellschaft von "Equilibrium" sind "eingestellt". Sie befinden sich im Film mit Hilfe einer Droge "Prozium" benannt nach dem Antidepressivum Prozac, im Gleichgewicht. Meine Familie möchte, dass ich auch im Equilibrium lebe. Ich will nicht im Gleichgewicht sein. Ähnlich wie im Film Blade Runner werden Gefühlsverbrecher im Film Equilibrium durch eine Task Force sehr brutal exekutiert.

Ich möchte nicht aufhören zu fühlen. Meine Gefühle funktionieren zwar noch "nicht richtig", aber "nicht richtig" ist immer noch besser als gar nicht. Ich habe eine Dame von der Telefonseelsorge angerufen. Sie war sprachlos. Das muss man erst mal schaffen, die Telefonseelsorge sprachlos zu machen. Ich werde in Zukunft ein Gefühlsverbrecher sein und nicht das Equilibrium teilen. Subversiv, hey? Ich habe auch die Idee, selber eine Geschichte über Gefühlsverbrechen zu schreiben. Ich habe eine Sterbende in der Familie, bin aber selber aussätzig. Wenn Sie Wahnsinn produzieren möchten, kann ich Ihnen eine nette Anleitung geben. Asperger ist ein wenig der Aussatz des 21. Jahrhunderts. Aufgrund der Logik des Equilibriums nehme ich an, dass mir bald vorgeworfen werden wird. X lag im Sterben und du warst so rücksichtslos und hast nicht einmal nach ihr gesehen. Möge Gott mir vergeben. Ich habe keine andere Wahl.

Mein Vater hat geäußert, bei ihm wäre trotz fehlender emotionaler Reaktion alles in Ordnung. Er käme damit durchs Leben Ich erfahre wegen genau demselben geschlechtsbezogene Diskriminierung, weil ich als Frau empfindsam und rücksichtsvoll sein muss. Ich bin auch der einzige, der widerspricht . Ich will kein autistischer Transgender sein. Zudem habe ich als hypersensibler Asperger noch schlechte Karten gegen jemanden, der mit der Rücksicht eines KZ-Aufsehers spricht. Aber zumindest nehme ich diese Gnadenlosigkeit richtig wahr. Ich bin nicht verrückt. Es hilft, das mindestens einmal am Tag zu sagen.

Die Dame von der Telefonseelsorge, mit der ich geredet habe, hat versprochen, diese Webseite anzuschauen. Falls sie es tut, hätte ich wieder jemanden zum Umdenken angeregt. Einen nach dem anderen. Es gibt keinen anderen Weg.


****

Vor ihm eine wüste Landschaft, eine Einöde. Die Luft roch nach Blumen von Gewächsen, die der Wüste trotzten. Dies war die Wüste, und Regen gab es nicht.
Ein Mann stand vor ihm; seine leiderfüllten, schmerzerfüllten Augen glänzten vor Kummer.
"Mercer", sagte Rick.
"Ich bin dein Freund", sagte der alte Mann. "Aber du musst weitermachen, so als würde ich nicht existieren. Kannst du das verstehen?" Er breitete seine leeren Hände aus.
"Nein", sagte Rick. "Das kann ich nicht verstehen. Ich brauche Hilfe."
"Wie kann ich dich retten", sagte der alte Mann, "wenn ich nicht mal mich selber retten kann?" Er lächelte. "Siehst du's nicht? Erlösung gibt es nicht."
"Dann, wozu das Ganze?", sagte Rick. "Wozu bist du da?"
"Um dir zu zeigen", sagte Wilbur Mercer, "dass du nicht alleine bist. Ich bin hier bei dir und werde immer da sein. Geh hin und folge deiner Bestimmung, selbst wenn du weißt, dass es falsch ist."
"Warum?" sagte Rick. "Warum sollte ich das tun? Ich werde meinen Job hinwerfen und auswandern."
Der alte Mann sprach: "Du wirst gezwungen sein, Unrecht zu tun, wo immer du auch hingehst. Der Zwang, wider seine eigene Natur handeln zu müssen, ist die Grundlage allen Lebens. Zu gewissen Zeiten muss jede Kreatur, die lebt, dies tun. Dies ist das tiefste Dunkel, der Makel der Schöpfung; dies ist das Wirken des Fluches, der an allem Leben zehrt. Überall im Universum."
"Ist das alles, was du mir sagen kannst ?" sagte Rick.
Ein Stein flog in seine Richtung; er duckte sich, und der Steinigungsbrocken traf ihn am Ohr. Sofort ließ er die Haltegriffe los und stand plötzlich wieder in seinem Wohnzimmer, neben seiner Frau und der Empathie-Box. Sein Kopf schmerzte stark, wo ihn der Stein getroffen hatte; und er berührte die Wunde und spürte frisches Blut rinnen, das in großen hellen Tropfen neben seinem Gesicht herunter lief…

Blade Runner


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05 February 2008 @ 04:42 pm
Asperger als Stigma - Scham und Tabu  
Ich habe mir ein nettes kleines Asperger-Handbuch gekauft, Freaks, Geeks and Asperger's Syndrome. Da Autismus ähnlich wie Aids oder Homose*ualität mit einem verheerenden Schamtabu belegt ist, habe ich mich während meiner Autismus-Akzeptanz-Phase (ähnlich einem Coming Out) in erster Linie durch das Versenden von U-Booten äußern können, das sind versehentlich abgesandte Emails an Personen, von denen ich mir Hilfe oder Anteilnahme erwarte (und auch bekommen habe). U-Boote deswegen, weil sie taktisch schnell und gefährlich sind, aber unter der Wasseroberfläche fahren und deswegen von oben nicht gesehen werden können.

Gestern habe ich wieder ein U-Boot ausgesandt und mein Buch an strategisch wichtiger Stelle vergessen. Schon deswegen ist es praktisch, ein Asperger-Handbuch zu besitzen. Da Asperger in Rudeln auftreten (Erbkrankheit; oft ist die gesamte Familie betroffen, wobei Ausprägungsgrade je nach Lebensumständen entweder stark ausgeprägt sind oder aber nur von Eingeweihten erraten werden können), kompensiert die Familie die Autismus-Problematik (die unbestreitbar als ein großes Garnichts vorhanden ist) damit, dass sie die am stärksten betroffene Person als Opfer heraussucht und dann wegen kleiner Kommunikationsmacken und Ungeschicklichkeiten solange hänselt, bis das Opfer im schlimmsten Falle dem Wahnsinn verfällt. Dies ist aber begrüßenswert, da sich die anderen mit Hilfe der Probleme des Ausgegrenzten gegenseitig immer wieder bestätigen können, dass sie ganz normal sind. Das ganze läuft dann auf einer Art Bühne ab; deswegen habe ich in einem anderen Artikel auch vom Denver Clan gesprochen. Die Normalheit des Rests der Familie ist ein Theaterstück, das imaginäre oder reale Zuschauer benötigt. In meinem Fall sind die Zuschauer Mitarbeiter eines kleinen Büros. Der Arbeitsplatz ist gleichzeitig eine Bühne, auf der die Normalität gespielt wird.

Da mir jedoch auch "Zuschauern" nahe stehen, habe ich mich also geäußert und mein Buch gezielt im Büro platziert. Heute bringt mir meine Mutter mein Buch zurück.

"Du hast das Buch im Büro vergessen. Da habe ich mich schon ein bisschen geschämt."

U-Boot-Mission erfolgreich. Autisten beherrschen die Kunst des indirekten Kommunizierens leider nicht. –

Freaks, Geeks & Asperger Syndrome: A User Guide to Adolescence
von Luke Jackson, ISBN-10: 1843100983

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05 January 2008 @ 03:41 pm
Der Ärztehasser-Kommentar  

"Ich gehörte nun zu einem relativ neuen und besonders verabscheuten Teil der Gesellschaft. Ich war einer von denen, die sich weigerten, mit den Karten zu spielen, die ihnen ausgeteilt worden waren"

"Gattaca"



Möchten Sie etwas Realsatire lesen? )
 
 
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29 December 2007 @ 06:09 pm
Der Flug des Phoenix / The Flight of the Phoenix (2004)  
Der Flug des Phoenix / The Flight of the Phoenix (2004)

Asperger im Film: Der Flug des Phoenix / The Flight of the Phoenix (2004)



RTL unterhielt Deutschland am 2. Weihnachtstag 2007 mit dem Abenteuerfilm „Der Flug des Phoenix“, einem Film im Stile einer zweistündigen McGyver-Episode, indem zwar wenig gefühlt, aber dafür ziemlich viel gebastelt wurde. Eine Crew von Männern (plus eine Quotenfrau) stürzen in der Wüste Gobi ab und sind gezwungen, zu kooperieren, um aus den Trümmerteilen der zweimotorigen Maschine ein einmotoriges Behelfsflugzeug zu bauen. Obwohl „Der Flug des Phoenix“ kein wirklich überragender Film ist, scheint er sich sehr gut dafür zu eignen, die angeblichen oder tatsächlichen Symptome von Asperger einschließlich der in der medizinischen Literatur häufig damit im Zusammenhang beschriebenen „Geschlechtsidentitätsstörung“ (Interessen oder Verhaltensweisen, die häufiger dem jeweils anderen Geschlecht zugeordnet werden), einmal bilderbuchmäßig durchzuexerzieren.





Der Film folgt dem beliebten Thema „Und plötzlich sind wir wieder in der Steinzeit“, bei dem alle Errungenschaften und dekadenten, „überflüssigen Dinge“ der Zivilisation plötzlich hinfällig werden (sollen). Ein Team von „harten Männern“ (plus der besagten Quotenfrau) besteigen ein Flugzeug. Die Ölbohrplattform, auf der sie gearbeitet haben, soll geschlossen werden. In letzter Minute stößt der nervige, überempfindliche Elliot hinzu, ein Typ, der irgendwie nicht dazugehört – durch seine Kritik am Captain, durch seine affektierte Stimme, durch die Wasserstoffblondierung seiner Haare, die in Filmen zumeist Schwuchteln und / oder Bösewichten vorbehalten ist.

Nachdem sie abgestürzt sind, ist er der Einzige, der demonstrativ „nicht im Team spielt“, der sich vor der Arbeit drückt, derjenige, der die Wasserrationen klaut. Wer möchte schon mit so einem zusammenarbeiten? Elliot ist zwar der einzige, der einen Plan zur Rettung entwickelt – aber viel wichtiger ist erstmal, dass die Jungs einen „Führer“ bekommen, da sonst das Chaos losbricht, da sie sich, obwohl sie auf der Ölbohrplattform gearbeitet haben, offensichtlich nicht alleine organisieren können. Um das Drama zu vertiefen, kommen auch die bösen Feinde von außen, eine Horde Hunnen, die sonst alle töten würden und selbst die Leichen verunglückter Teammitglieder als Zielscheiben benutzen. Als „Führer“ der Gestrandeten prädestiniert ist der Captain, Towns, weil er der Pilot ist / war, doch er lehnt diese natürliche Rolle zunächst ab und ergeht sich die erste Stunde des Films in Selbstmitleid. Wahrscheinlich hat er als Transportflieger in solchen Situationen kaum mehr Erfahrung hat als ein Taxifahrer.

Es ist Elliot, der Towns davor warnt, die sinistren Nomaden in der Wüste auf sich aufmerksam zu machen; Elliot, der Towns davor gewarnt hat, dass das Flugzeug überladen war, und der Towns auf seine Verantwortung hingewiesen hatte, die Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Andere Passagiere hocken da und harren auf Befehle, warten gleichsam in der Manier verwöhnter Sozialstaatskinder auf Rettung von oben, „anstatt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.“ Ohne den „Führer“ an Bord wären die Jungs in der Wüste hocken geblieben und hätten sich bis zu ihrem Tode ums Bier geprügelt. Zwar stammt die Vision für die Rettung von dem zart besaiteten, unangenehmen Elliot, der den ganzen Film hindurch hartnäckig das Kommando beansprucht – aber in einer Welt, in der noch / wieder die traditionellen Werte zählen, kann keine Schwuchtel Anführer sein.

Schließlich wird unter Elliots Leitung [aber unter Towns’ formeller Führung] das Flugzeug fertig, wofür Elliot gleich noch mal von der ganzen Mannschaft Dresche bezieht. Schließlich sei Elliot nur gelernter Ingenieur für Spielzeugflugzeuge, nicht aber für Transportmaschinen, da alle ganz genau wissen, die Gesetze der Physik gälten nur für das eine, für das andere hingegen nicht.

Der „Flug des Phoenix“ hatte einen Gesamtmarktanteil von 3,72 Millionen Zuschauern (11,4 %) vor dem Liebesdrama „Titanic“ mit 2,56 Millionen Fernsehzuschauern (9,5 %). In der „werberelevanten Zielgruppe“ der 14- bis 49-jährigen Zuschauer waren beide Filme etwa gleich stark (17,0 % gegenüber 17,2 % für „Titanic“). [1] Sie unterlagen jedoch beide dem Kinderfilm „Der Polarexpress“ [2] mit einem Marktanteil von 20,3 % in der Zielgruppe und 12,3 % beim Gesamtpublikum. [2]

Nach Informationen von Filmstarts.de [3] soll sich der Originalfilm von 1965, in dem in dem Hardy Krüger den schweigsamen Flugzeugbauer verkörperte, stärker mit dem Charakter und der Psyche des exzentrischen Ingenieurs beschäftigen. Es sind halt schlechte Zeiten für Eierköpfe angebrochen. Oder auch nicht.

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[1] http://www.quotenmeter.de/index.php?newsid=24295

[2] http://www.dwdl.de/article/news_13977,00.html

[3] http://www.filmstarts.de/produkt/38024,Der%20Flug%20des%20Phoenix.html
 
 
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23 December 2007 @ 04:26 pm
Autismus, Computersucht, Rechenschwäche  
"Es ist das Feuer des Leidens, welches das Gold der Heiligkeit hervorbringt!"
Madame Guyon – Mystikerin

Eine Kommilitonin hat mir einen Erbauungstext mit diesem Zitat geschenkt. Obwohl ich diesen Satz für den Allgemeingebrauch etwas abwandeln würde, empfinde ich doch gerade um die Weihnachtszeit etwas, das man durchaus als "Das Feuer des Leidens" bezeichnen könnte. Andere Menschen mit Autismus, die aufgrund ihrer Andersartigkeit um diese Zeit Probleme mit der Familienseligkeit haben, empfinden vielleicht genauso. Um die Weihnachtszeit begegnet vielleicht vielen von uns sehr viel gezähmtes "Licht", aber sehr wenig ursprüngliches "Feuer", dem eine reinigende Kraft zugeschrieben wird.

Akt I: Computersucht

Ich hab mir ein Buch über die "Computersucht" besorgt, welches man ebenso gut hätte betiteln können mit: "Wie erzeuge ich Autismus?" Es enthält sehr detaillierte Beschreibungen über die Veränderungen, die häufiges Computerspielen im Gehirn erzeugt, welche in ihrer Gesamtheit verdammt nach Autismus klingen. Ich bin davon überzeugt, dass solche Spiele die Intelligenz fördern. So basieren viele Spiele darauf, sich den Weg in einem Labyrinth einzuprägen und bestimmte Wege immer wieder vor- und zurückzugehen. Ich glaube, dies kommt der Tendenz von potentiell Hochbegabten entgegen, auch Wortinformationen als zwei- oder dreidimensionale räumliche Gebilde abzuspeichern und sich eher Vernetzungen (z. B. als Mind-Maps) einzuprägen. Vielleicht kann man mit solchen Spielen, maßvoll eingesetzt, Hochbegabung sogar antrainieren. Es würde die Anforderungen an die Aufnahme immer größerer Wissensmengen in Zukunft revolutionieren.

In bester Verdrängungsmanier erstreckt sich in der öffentlichen Meinung der Schutz vor dieser neuen Krankheit jedoch wieder mal nur auf "die Kinder" und nicht auf vielleicht zu spät erkannte betroffene Erwachsene. Auch von der hochgefährlichen Fernsehkrankheit hat noch keiner was gehört, obwohl sich Fernsehsendungen (Extremfall: MTV) immer weiter an das Wahrnehmungsmuster von ADHS-"Patienten" annähern (Mal ehrlich, wissen Sie noch, was vor 5 Minuten im Fernsehen lief?)

Auch sind von dieser ominösen Krankheit wieder mal nur Jungs betroffen – "Wer wird computersüchtig?" – "Weshalb sind Jungen besonders gefährdet?" – "Jungen sind von Anfang an empfindlicher" – "Hebammen und Geburtshelfer wissen schon lange, dass männliche Neugeborene im Allgemeinen konstitutionell vulnerabler und konstitutionell schwächer sind als weibliche …" Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass für die Hebamme / Pflegerin / Grundschullehrerin das gegengeschlechtliche Kind oder Baby als Liebesobjekt erwünschter ist. Also, wenn Sie zu begabt oder zu sensibel oder sogar behindert sind, aber ein Mädchen, halten Sie die Klappe, damit unseren Jungs die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird, die sie so dringend brauchen.

Ich habe als Teenager sehr gerne gespielt. Meine Lieblingsspiele zu jener Zeit waren die Grand Theft Auto Reihe, insbesondere GTA 1 und Vice City. Ich spiele inzwischen sehr selten, weil ich die Reaktionen des Computers irgendwann vorhersehbar fand. Neuere Online-Rollenspiele wie World of Warcraft, bei denen hinter den Avataren echte Spieler stehen, sollen diesen Nachteil nicht mehr bieten. Wer möchte nicht mit William Shatner und Mr. T., vorgeblichen World of Warcraft Spielern, gegen Fantasywesen zu Felde ziehen? Ich fühle mich der Computerspiel-Subkultur noch immer irgendwie verbunden. Ich weiß auch, dass diese Spiele überwältigende Gefühle auslösen können. Ich erinnere mich noch immer daran, dass ich alle Level der damals aktuellen Version von Doom gespielt hatte und enttäuscht war, weil man das Spiel im eigentlichen Sinn nicht gewinnen konnte.


Akt II: Lernbehinderung

Die bösen Dinge, die Computerspiele mitauslösen sollen, etwa "Verhaltensgestörtheit" oder "Lernbehinderung" treten stärker bei Jungs nach außen, was natürlich wieder Mal heißt, dass sie bei Mädchen nicht auftreten. Mädchen erleben stattdessen "Beziehungskonflikte". Ähnliches gilt für Rechenschwäche, was bei Mädchen einfach irgendwie dazu gehört.

Ich bin mit bemerkenswerter Inkonsequenz erzogen worden. Einerseits habe ich schon als Jugendliche im Kleinunternehmen meiner Familie gewisse Einblicke und Erklärungen in wirtschaftliche Problemstellungen erhalten, immer zusammen mit dem "Leistungsgedanken". Gleichzeitig wurde dieser Anspruch im letzten Augenblick immer wieder abgebogen, da die Unternehmensführung ja im Kern der Anspruch des Unternehmensführers über die erweiterte Familie (Belegschaft) ist, in dem "die Weiber" nichts zu suchen haben. Gleichzeitig wurde ich damit betraut, immer nett, freundlich und zuvorkommend zur Kundschaft zu sein, was für viele Empathisch-Blinde gefährliches Terrain ist. Es liegt auf der Hand, wie diese letztlich unvereinbaren Ansprüche zur totalen Verunsicherung und zur Ausbildung/Verstärkung einer "Lernbehinderung" führen konnten.

So schien die Tatsache, dass ich jedes Mal falsch addierte und die Mehrwertsteuer falsch berechnete, weil ich bildliche Vorstellungen von Mengen und Verhältnissen (gefülltes Glas, zerteilte Torte) einfach nicht mit Zahlen in Verbindung bringen konnte, das Unterrichten in wirtschaftsrelevanten Problemstellungen ungefährlich zu machen, weil ich ja "dusselig" war. Jetzt, wo ich, wie ärztlich erwiesen, nicht mehr "dusselig" bin, wird mir auf Einmal von Zuhause aus nichts mehr erklärt, weil ich ja verstehen könnte, was eine nicht zu unterschätzende Bedrohung (für wen?) darstellt.

Von "hysterisch" zu "lernbehindert" aufzusteigen kommt in diesem Fall geradezu einem Statuswechsel gleich. Da ich das Glück einer gewissen Rücksichtnahme habe und im Hochschulbereich Dozenten häufiger anzutreffen sind, lösen sich gewisse Dinge, wenn auch quälend langsam. Es ist die Überlegung wert, dass sich ein Mensch vielleicht vor Buchhaltung und Bilanzen auch deswegen tödlich fürchtet, wenn ein Leben lang suggeriert worden ist, dass man in diesem Bereich nichts zu suchen hat.


"Geistlicher Kampf ist nicht etwas, über das wir reden; es ist etwas, das wir tun. Wie tun wir das? Wir tun es, indem wir alle zerstörerischen Bindungen - bewusste und unbewusste - brechen, die über dem Leben der Menschen liegen. Wir tun das, indem wir die Autorität über Krankheit des Verstandes, des Körpers und Geistes brechen. Wir tun das, indem wir uns gegen jede “Höhe” wenden, die unseren Fortschritt in Gott behindert. Wir tun es, indem wir Dämonen austreiben. Wir tun es, indem wir uns gegen alle soziale Bosheit und institutionelle Ungerechtigkeit wenden."
(Aus einem religiösen Blog)



Probleme von Autisten in der Schule mildern
http://www.autismus-mfr.de/_pdf/asperger.pdf

Ein Artikel über Rechenschwäche
http://texte.lerntherapie-braunschweig.de/CC_2007-10.pdf

Computersüchtig. Kinder im Sog der modernen Medien
von Wolfgang Bergmann und Gerald Hüther, ISBN-10: 3530422126, ISBN-13: 978-3530422122

Geschlechtsspezifische Sozialisation. Zur Bedeutung von Angst und Aggression in der Entwicklung der Geschlechtsidentität. Eine Studie im Frauenhaus, von Angelika Henschel, ISBN-10: 3786716684 ; ISBN-13: 978-3786716686

Häufige Fragen ...
 
 
aspergergermany
21 December 2007 @ 02:24 pm
Gruppenkonsens und Gruppendruck  

Das Unvertraute flößt immer Grauen ein.
Ray Bradbury, Fahrenheit 451



Aber, wie ist das nun mit der Feuerwehr? )
 
 
aspergergermany
03 December 2007 @ 11:55 pm
Autistische Bürgerrechte  
Es gibt Menschen, die schreiben zu ihrem Geburtstag in ihr Tagebuch, dass es Sekt gab und was sie geschenkt bekommen haben. An meinem Geburtstag schreibe ich, dass ich meinem Chef den Satz: "Es wird einmal eine autistische Bürgerrechtsbewegung geben." an den Kopf geworfen habe. Leider habe ich mich etwas dumm angestellt, da ich noch keine richtige Konfrontationserfahrung habe und Hypersensibilität, wie alle Betroffenen wissen, in konkreten Konfliktsituationen ein leidiges Problem sein kann. Zum wirklich gnadenlosen Bladerunner fehlt mir also noch einiges. Eine Fähigkeit, die ich im Jobleben wahrscheinlich mal brauche. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich Gnadenlosigkeit auch wirklich besitzen will.

Ich habe kürzlich ein Buch über die Geschichte der psychosomatischen Krankheiten, insbesondere über die wechselvolle Geschichte der Hysterie gelesen. Zeigt eine Frau Unwillen, ist sie praktischerweise "hysterisch". Gleichzeitig ist ein bisschen Hysterie sozusagen Voraussetzung, da Frauen ja so einfühlsam für die Bedürfnisse der Gesellschaft sein sollen, oder neudeutsch, "empathisch", wie meine neuen Vokabeln lauten.

In einem anderen Buch über Neugeborenentötung habe ich gelesen, das "Hysterie" die weibliche Notwehrreaktion gegenüber männlich aufgepresste Geschlechterschemata darstelle. Bei mir liegt das Gegenteil vor, durch Testosteron programmierter Autismus. Vielleicht kommt es im Endeffekt ja auch aufs Gleiche heraus, und ich stecke nur in einem Körper fest, der nicht richtig zu meiner Geistesverfassung passt, und weiß nicht, wie ich beides ausgleichen soll.

Ich soll eine "Therapie" anfangen, und es wäre sehr mutig, dass ich mich dem Problem gestellt hätte. Gleichzeitig gefährde ich durch die Therapie meine Übernahmechancen, da niemand einen Azubi einstellen will, dessen Akte randvoll mit Entschuldigungszetteln ist, da er jede Woche einen Tag gefehlt hat. Ich kann es mir also aussuchen, Autismus bekämpfen und dafür von der Gesellschaft bestraft werden, oder Autismus nicht bekämpfen mit dem ungewissen Risiko, mal später bei der Buchhaltung einer Sachbearbeiterin auf die Zehen zu treten. Lieber Leser, wie würden Sie entscheiden? Die Gesellschaft sollte ihren Umgang mit psychisch Kranken iwS mal gründlich überdenken.

"Psychische Erkrankungen stellen ein zunehmendes Problem für die Europäische Union (EU) dar. Schätzungen zufolge ist mehr als einer von vier Europäern im Erwachsenenalter von psychischen Störungen betroffen. Sie sind die Hauptursache für die 58 000 Selbsttötungen pro Jahr und fordern damit mehr Opfer als Straßenverkehrsunfälle.

Die verbreitetsten psychischen Erkrankungen * sind Angst und Depression. Einigen Studien zufolge ist damit zu rechnen, dass bis zum Jahr 2020 Depressionen in den Industriestaaten die zweithäufigste Ursache von Erkrankungen sein werden.

Nach wie vor kommt es zur Stigmatisierung psychisch Kranker. Psychisch kranke und geistig behinderte Personen stoßen auf Ablehnung und Vorurteile, die ihr persönliches Leiden vergrößern und ihre soziale Ausgrenzung verschärfen."

Quelle: http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11570c.htm


Mein Chef stellt mit Vorliebe die für Betroffene u. U. grausame Behauptung auf, dass er mir den Autismus nicht glaube, vermutlich mit der Begründung, ich sei kein Mathegenie. Richtig, ich bin ja kein Junge. Wäre ich ein junger Mann, dann stände die "Diagnose" Autismus wahrscheinlich überhaupt nicht, dann wäre ich stockgesund. Ich habe am Wochenende mit einem Freund stundenlang an einer Power Point herumgebastelt, und kam mir überhaupt nicht merkwürdig vor. Jungs spielen am Computer, und das ist ja auch gut so.

Im Zweifel für den Angeklagten, ich halte es für viel wahrscheinlicher, dass mein Chef mir glaubt, und nur irgendwelche merkwürdigen Dominanzspielchen mit mir spielt, die sich dem ungeübten Asperger nicht auf Anhieb erschließen. Ich würde mir diese Fähigkeiten gerne selbst aneignen; ohne mehrfache Anfängerfehler geht dies aber nicht.

Durch das Antreten einer Therapie würde ich jedoch nur meine hart erkämpfte, halbherzige Gruppenakzeptanz, die ich aber im Augenblick dringend brauche, aufs Spiel setzen. Jeder echte Asperger weiß, dass viele Neurotypische auf auftretende Unregelmäßigkeiten mit Getratsche reagieren, weil er dies selbst nicht tut.

Wo ist eine philosophische Weisheit, wenn man wirklich eine braucht?

***
Moderne Leiden. Zur Geschichte der psychosomatischen Krankheiten, von Edward Shorter, ISBN 3498062700)

Mütter, die töten. Psychoanalytische Erkenntnis und forensische Wahrheit von Annegret Wiese (ISBN 3770528492)

Grünbuch der Kommission vom 14. Oktober 2005: „Die psychische Gesundheit der Bevölkerung verbessern - Entwicklung einer Strategie für die Förderung der psychischen Gesundheit in der Europäischen Union [KOM(2005) 484 endg. - Nicht im Amtsblatt veröffentlicht] ( http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11570c.htm)

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aspergergermany
04 November 2007 @ 05:44 pm
Asperger und ADHS als Jungskrankheit - Dyskalkulie  
Frage: Ist Asperger eigentlich eine seelische Behinderung?

"Asperger" scheint im öffentlichen Bewußtsein so langsam "Schizophrenie" als Synonym für Geisteskrankheit abzulösen. Die Listen mit Diagnosekriterien passen doch irgendwie auf jeden, oder? Sind wir nicht alle ein bißchen Asperger? Auch dank Dustin Hoffman in schauspielerischer Darstellung eines "tief in seiner eigenen Welt gefangenen" Menschen in Rain Man scheint irgendwie jeder "das Eierkopf-Syndrom" beurteilen zu können, auch wenn keiner so richtig weiß, was es eigentlich ist. Wir erfreuen uns mit als Mitleid getarntem wohligen Gruseln an Dustin Hoffmann als babelnder Rechenmaschine und weiden uns mit stiller Genugtuung daran, dass wir zumindest wissen, dass eine Tafel Schokolade keine hundert Dollar kostet. Gott sei dank sind wir in der Geschichte nicht Dustin Hoffman; Gott sei dank sind wir in der Geschichte eher Tom Cruise.*

Autismus gilt im öffentlichen Bewußtsein damit als "Jungs-" oder "Mathekrankheit". Bei der Diagnose Aufmerksamkeitsdefizitstörung / Asperger wird vielfach angenommen, dass ein Zusammenhang besteht zwischen Bewegungsfähigkeit / Bewegungsdrang und der Fähigkeit zur Einordnung in Gruppen [vgl. Stellungnahme zur 'Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS)'- Langfassung] [1], ein Problem, das sich gravierend bei Jungs auswirken kann, etwa in der Schule:

"Der Unterricht erfordert zu 90% der Zeit Stillsitzen, geistige Konzentration und Unterdrückung der Motorik und der Bewegungsimpulse. Darüber hinaus wird rezeptives Verhalten gefördert und gefordert, da die Schüler zu über 95% der Zeit zuhören und aufnehmen anstatt zu sprechen und sich in Bewegung auszudrücken. Die traditionelle Lernform ist für Mädchen besser annehmbar als für Jungen, denn ihr Wunsch nach Bewegung, nach Ausdruck und Kräftemessen, der Wunsch nach Lernen über die Aktion ist weniger ausgeprägt …. So verwundert es nicht, dass die Diagnose ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) bei Jungen etwa dreimal häufiger als bei Mädchen gestellt wird. Vielleicht ist die sogenannte Hyperaktivität aber gar keine Krankheit, sondern zeigt lediglich, dass Jungen einen verstärkten Drang nach wilden Bewegungen und der Erprobung ihrer Kräfte haben. Besser wäre es hier, das Schulsystem den Jungen anzupassen anstatt ihnen ihre Aggression und Bewegungsimpulse abzugewöhnen. Denn der Selbstwert der Jungen leidet enorm darunter.“ [2]

Vergleichbares gilt unabhängig vom Geschlecht aber auch bei Aspergern. Es liegt auf der Hand, dass sich bei Aspergern weiblichen Geschlechts diese Rollenerwartung noch weitaus schwerwiegender auswirken kann, zum einen, da sie ohnehin nicht „fügsam“ sein können und zum zweiten noch als Mädchen mit einwer doppelten Belastung fertig werden müssen. Sie müssen zum einen „brav“ sein und zum anderen gilt: - „ein Mädchen macht das nicht“. Zudem geistert das Klischee vom Asperger als Mathe-bot durch die Medien (Rain Man), welches in den meisten Fällen bei Asperger-Frauen gerade nicht zutrifft. Sprachlich begabte Männer, die sich als Politiker oder Manager mit zwei linken Händen durchs Leben schlagen, haben nicht mit dem Stigma einer angeblichen „seelischen Behinderung“ zu kämpfen, da Ungeschicklichkeit bei Männern als niedliche Eigenschaft gilt, die den Mutterinstinkt auslöst.

Ich plädiere nicht dafür, das Faustrecht auf dem Schulhof wieder einzuführen bzw. durchzusetzen. Ich möchte aber auch nicht, dass die politische Korrektheit zu Ungunsten einer ganzen Klasse von Menschen zuschlägt. Ich würde mir wünschen, dass betroffene Asperger sich in geeigneten Bereichen, wie z. B. im musikalischen oder tänzerischen Bereich, persönlich Linderung verschaffen können. In einer Welt aber, in der von Plakatwänden glotzende Down-Syndrom-Personen und den einzelnen beständig daran erinnern, wie er zu sein hat, gefährdet ein übertriebener Schutz der Freiheit die Freiheit selber und verkehrt sie in Gegenteil. In den USA gilt, die „Rasse“, in Deutschland die „Behinderung“ als ethischer Lackmustest gesellschaftlicher Mehrheitsentscheiduingen. Ich hoffe im Interesse aller Menschen, dass das Mysterium der weiblichen Asperger ein wenig dabei hilft, politisch unpopuläre Geschlechtermythen in Zeiten der "Gleichberechtigung" ein wenig differenzierter zu sehen. Ansonsten könnte eine Zeit anbrechen, in der 50 % der Bevölkerung „seelisch behindert“ sind.

[1] - http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.47.3161.3163.3166

[2] - http://www.tantra.de/news/382/alpha-maedchen/

Weitere Fragen ...
___________________

* Eine gute Darstellung des Gefühlslebens, die Asperger außergewöhnlich nahekommt, ist z. B. "Heiße Nächte in Las Vegas" / "The Winner" aus dem Jahre 1996 - "Eine Gang von Losern, angeführt von Trickbetrüger Joey, gedenken, die jeder rationalen Erklärung spottende Glückssträhne des ebenso naiven wie bescheidenen Philip für sich selbst in klingende Münze zu verwandeln. Die einen versuchen es mit List, die anderen mit Druck, doch als es schließlich darauf ankommt, nimmt das Rattenrennen eine unverhoffte Wendung." - [ http://www.conrad.de/TV-SAT-DVD/the_winner_heisse.sap ]
 
 
 
 

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