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aspergergermany
19 March 2008 @ 02:31 pm
Der Voight-Kampff-Test  

Eine Stadt auf einem Berg kann nicht verborgen bleiben (Neues Testament).



"Nein, Doug", sagte sie nachdenklich. "Es gibt keine Sicherheit, nicht einmal in der Höheren Wirklichkeit, dass die körperlichen Dinge wirklich Substanz haben. Und was die Seele angeht, wer hat behauptet, dass das Geistige einer Person mit dem Physischen zusammenhängt? Wenn dass der Fall wäre, hätte ein amputierter Zwerg weniger Seele als ein aufgequollener Riese – in jeder Welt." (Daniel F. Galouyé, Simulacron-3 [The 13th Floor])

Ich habe ein Gespräch mit einem Geistlichen führen können. Ich bin sehr dankbar, dass er sich trotz seiner Belastungen Zeit für mich genommen hat. Trotzdem weiß ich nicht genau, was ich mir davon erwartet habe. Ich kann mich inzwischen schon nicht mehr erinnern, vor wem ich schon alles meinen Standpunkt dargelegt habe, wie oft ich die inzwischen schon sattsam bekannten gutgemeinten Ratschläge pariert habe, eine andere Sichtweise angeboten habe. Allmählich wird es zur Routine. Jedes Gespräch ist ein kleiner Schritt, um den Preis einer gewissen seelischen Auszehrung.

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz kraftlos wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten werde. Ihr seid das Licht der Welt … Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind.

Anscheinend war zur Zeit der Entstehung der Bibel das Problem Melancholie nicht unbekannt, aber unter einem anderen Namen:

Das Auge ist des Leibes Leuchte. Wenn nun dein Auge klar ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge verdorben ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn aber nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!

Möglicherweise würden Menschen mit Transsexualität zur Konstituierung ihrer Identität einen Psychiater als Gegenspieler (advocatus diaboli) benötigen, aber wer bereits seine Identität nach außen verteidigt, ist gewissermaßen sein eigener Gegenspieler. Selbstverständlich gibt es dabei lose Enden. Irgendwann landet man auf dem toten Gleis. Aber wer kann behaupten, dass seine eigene Identität in sich absolut schlüssig ist und den Angriffen eines darauf trainierten Psychiaters ohne jegliche Abstriche standhalten würde?

Er hatte unbarmherzig gefoltert und gemordet, mit brutaler Gleichgültigkeit Reaktionswesen behandelt. Aber trug er moralisch irgendeine Schuld? Er hatte Leben auf dem Gewissen – Fuller und Collingsworth. Aber es hatte sie ja nie gegeben. Ihre einzige Wirklichkeit hatte darin bestanden, dass er ihnen durch die raffinierte Schaltung seines Simulators ein subjektives Bewusstsein verlieh.
Ich wehrte mich gegen diese demütige Haltung. Ich hatte keine Lust, für den Hall da oben als Fürsprecher aufzutreten. Er hatte gemordet – brutal und gemein. Ohne eine Spur von Mitleid hatte er diejenigen Analogwesen beseitigt, denen sich die Illusion der Wirklichkeit entschleierte. Und er hatte nicht nur Reaktionseinheiten beseitigt, sondern menschliche Wesen getötet. Denn das Bewusstsein ist der einzig wahre Maßstab des Existierens.
Cogito ergo sum, erinnerte ich mich. Ich denke, also bin ich.
So musste es sein.

(Daniel F. Galouyé, Simulacron-3 [The 13th Floor])



Erfolgreiche Aspies verkörpern häufig den Managertypus, da aufgrund ihres richtigen Geschlechts ihre Verfassung weniger auffällt. Sie haben weniger Freunde, dafür aber sehr viele Geschäftsfreunde, die ihre Schwäche überdecken. Da sie vor fremden Menschen Angst haben, werden nach innen die Familienbeziehungen durch Heimeligkeit überladen. Autistische Kinder und die Ehefrau werden durch ein double-bind aufgrund eines faktischen Machtungleichgewichts festgehalten. Deswegen haben sie als Erwachsene mehr Schwierigkeiten mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Sie suchen sich häufig übermäßig submissive Ehefrauen. Auf diese Weise pflanzt sich Autismus fort. Überlebensfähige autistische Frauen fallen hierbei aus dem Raster, und sehen sich mit sehr spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert.

Verliert aufgrund eines kuriosen Tricks der Gesellschaft ein Android seine autistische Identität, so wandelt er sich zum Blade Runner. Gleichzeitig (die Rolle des Blade Runners wird durch gesellschaftliche Zuweisung übergeben) behält er sie, da er nach Meinung der Gesellschaft entweder nur Android oder nur Blade Runner sein kann, aber nicht beides. Von seiner früheren Existenz behält ein Blade Runner seine berufswichtiges soft skill, Replikanten zu erkennen. Der Gesellschaft ist die Identifikation der Replikanten faktisch kaum möglich, es sei denn, nur durch die Anwendung des Voight-Kampff Tests. Frage: Verletzt es nun das Berufsethos der Blade Runner, mit den Replikanten Mitleid zu haben, obwohl die Replikanten selber zum Mitleid schwer fähig sind?

Autismus als Managerkrankheit
http://karrierebibel.de/mann-o-mann-testosteron-verantwortlich-fuer-autismus/

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aspergergermany
18 March 2008 @ 11:35 am
Asperger-Logik ... äh ... Logik in Aspik  
Ich habe mich weiter informiert und in ein Höllenloch gestochen. Einige Wissenschaftler sagen, Transsexualität sei eine spezifische Form der Nervenschwäche, ausgelöst, wenn in der Familie die Geschlechtsrollenbeziehungen über den Haufen geworfen wurden. Andere sagen, dass sich Nervenschwäche und Transsexualität grundsätzlich ausschlössen. Ich bin der Ansicht, man kann grds. jeden Blödsinn verkaufen, solange man sich nur stupide an die Regeln der formalen Logik hält. Da vielen etablierten Ärzten die Problematik schwuler weiblicher Asperger nicht vertraut ist bzw. sie in ihrer Autorität angreift, wird mir jedenfalls ein gehöriger Psychokrieg bevorstehen. Einige Gynäkologen reagieren beleidigt, wenn Virilisierung ohne ihre Erlaubnis eintritt. Die Betroffenen würden angeblich illegale Sportdrogen missbrauchen. Wenn ich mein Anliegen vertrete, muss ich kalt wie aufs Messer sein.

Man hat mir angeraten, die "Pille" zu benutzen, in jener unschlagbaren Wenn-dann-Logik, die den Aspergern zu Eigen ist. Ich habe das mal als die Handwerker-Mentalität bezeichnet. Ein Handwerker reagiert nur auf einen 'Defekt', der bereits eingetreten ist, und repariert dann auch nur das spezifische Bauteil, ohne die Konstruktion des ganzen Hauses zu sehen.

Diese intelligent-doofe, unfühlende Asperger-Logik. Wie ich sie hasse.

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aspergergermany
07 February 2008 @ 11:12 pm
Die Gesprächsführung und das Internet  
Das Klischee besagt, Gespräche zwischen Männern und Frauen würden scheitern, weil Männer an Fakten interessiert seien und Frauen über Gefühle reden würden...

Versuchen Sie sich diese Situation einmal vorzustellen.

Und dann drehen Sie die Rollenvorstellung um.

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aspergergermany
05 February 2008 @ 04:52 pm
Equilibrium - Killer of Emotions ( Gefühlsblindheit )  
Kennen Sie den Film Equilibrium – Killer of Emotions? Den sollten Sie wirklich mal anschauen. Es ist grauenhaft, sich das vor Augen zu halten, aber er gibt ein äußerst anschauliches Beispiel für das Leben in einer autistischen Familie ab. In jeder Familie gibt es einen, der aus der Art schlägt, bzw. das Offensichtliche nicht so gut kompensieren kann. In Equilibrium heißen diese Leute Sinnestäter oder Gefühlsverbrecher. Ein Gefühlsverbrechen zu begehen ist fürchterlich. Die anderen Menschen in der Gesellschaft von "Equilibrium" sind "eingestellt". Sie befinden sich im Film mit Hilfe einer Droge "Prozium" benannt nach dem Antidepressivum Prozac, im Gleichgewicht. Meine Familie möchte, dass ich auch im Equilibrium lebe. Ich will nicht im Gleichgewicht sein. Ähnlich wie im Film Blade Runner werden Gefühlsverbrecher im Film Equilibrium durch eine Task Force sehr brutal exekutiert.

Ich möchte nicht aufhören zu fühlen. Meine Gefühle funktionieren zwar noch "nicht richtig", aber "nicht richtig" ist immer noch besser als gar nicht. Ich habe eine Dame von der Telefonseelsorge angerufen. Sie war sprachlos. Das muss man erst mal schaffen, die Telefonseelsorge sprachlos zu machen. Ich werde in Zukunft ein Gefühlsverbrecher sein und nicht das Equilibrium teilen. Subversiv, hey? Ich habe auch die Idee, selber eine Geschichte über Gefühlsverbrechen zu schreiben. Ich habe eine Sterbende in der Familie, bin aber selber aussätzig. Wenn Sie Wahnsinn produzieren möchten, kann ich Ihnen eine nette Anleitung geben. Asperger ist ein wenig der Aussatz des 21. Jahrhunderts. Aufgrund der Logik des Equilibriums nehme ich an, dass mir bald vorgeworfen werden wird. X lag im Sterben und du warst so rücksichtslos und hast nicht einmal nach ihr gesehen. Möge Gott mir vergeben. Ich habe keine andere Wahl.

Mein Vater hat geäußert, bei ihm wäre trotz fehlender emotionaler Reaktion alles in Ordnung. Er käme damit durchs Leben Ich erfahre wegen genau demselben geschlechtsbezogene Diskriminierung, weil ich als Frau empfindsam und rücksichtsvoll sein muss. Ich bin auch der einzige, der widerspricht . Ich will kein autistischer Transgender sein. Zudem habe ich als hypersensibler Asperger noch schlechte Karten gegen jemanden, der mit der Rücksicht eines KZ-Aufsehers spricht. Aber zumindest nehme ich diese Gnadenlosigkeit richtig wahr. Ich bin nicht verrückt. Es hilft, das mindestens einmal am Tag zu sagen.

Die Dame von der Telefonseelsorge, mit der ich geredet habe, hat versprochen, diese Webseite anzuschauen. Falls sie es tut, hätte ich wieder jemanden zum Umdenken angeregt. Einen nach dem anderen. Es gibt keinen anderen Weg.


****

Vor ihm eine wüste Landschaft, eine Einöde. Die Luft roch nach Blumen von Gewächsen, die der Wüste trotzten. Dies war die Wüste, und Regen gab es nicht.
Ein Mann stand vor ihm; seine leiderfüllten, schmerzerfüllten Augen glänzten vor Kummer.
"Mercer", sagte Rick.
"Ich bin dein Freund", sagte der alte Mann. "Aber du musst weitermachen, so als würde ich nicht existieren. Kannst du das verstehen?" Er breitete seine leeren Hände aus.
"Nein", sagte Rick. "Das kann ich nicht verstehen. Ich brauche Hilfe."
"Wie kann ich dich retten", sagte der alte Mann, "wenn ich nicht mal mich selber retten kann?" Er lächelte. "Siehst du's nicht? Erlösung gibt es nicht."
"Dann, wozu das Ganze?", sagte Rick. "Wozu bist du da?"
"Um dir zu zeigen", sagte Wilbur Mercer, "dass du nicht alleine bist. Ich bin hier bei dir und werde immer da sein. Geh hin und folge deiner Bestimmung, selbst wenn du weißt, dass es falsch ist."
"Warum?" sagte Rick. "Warum sollte ich das tun? Ich werde meinen Job hinwerfen und auswandern."
Der alte Mann sprach: "Du wirst gezwungen sein, Unrecht zu tun, wo immer du auch hingehst. Der Zwang, wider seine eigene Natur handeln zu müssen, ist die Grundlage allen Lebens. Zu gewissen Zeiten muss jede Kreatur, die lebt, dies tun. Dies ist das tiefste Dunkel, der Makel der Schöpfung; dies ist das Wirken des Fluches, der an allem Leben zehrt. Überall im Universum."
"Ist das alles, was du mir sagen kannst ?" sagte Rick.
Ein Stein flog in seine Richtung; er duckte sich, und der Steinigungsbrocken traf ihn am Ohr. Sofort ließ er die Haltegriffe los und stand plötzlich wieder in seinem Wohnzimmer, neben seiner Frau und der Empathie-Box. Sein Kopf schmerzte stark, wo ihn der Stein getroffen hatte; und er berührte die Wunde und spürte frisches Blut rinnen, das in großen hellen Tropfen neben seinem Gesicht herunter lief…

Blade Runner


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aspergergermany
27 November 2007 @ 11:55 pm
Missbrauch, Mitleid, Empathie, Familie  
Das Rätsel menschliches Verhalten scheint sich zu lichten:

Asperger [-Autisten] scheinen die Gefühle Angst (gesellschaftliche Scheu) und Mitleid nicht zu besitzen, die anscheinend die Navigation innerhalb der Gesellschaft überhaupt erst ermöglichen. Scheu scheint gesellschaftliche Abstoßung zu bewirken. Mitleid scheint das Gefühl zu sein, welches gesellschaftliche Anziehung bewirkt. Dabei scheint es sich um ein ähnliches Gefühl zu handeln wie jenes, das Philip K. D*ck in Blade Runner beschreibt:

"Jedenfalls schien die Mitleidsfähigkeit einen unbeschädigten Gruppeninstinkt vorauszusetzen; ein Einzelindividuum, etwa eine Spinne, hätte keine Verwendung dafür."



***

Ich war heute bei einem Videoabend der Kirche, einem gruseligen Kurztrip in die Welt des Abartigen für die angebliche Mitte der Gesellschaft. Keine richtigen Betroffenen sondern Videos, damit man den Grusel abschalten und nach Hause gehen konnte, falls es doch zu anstrengend würde. Das Thema war Missbrauch, was einmal wieder reduziert wurde auf das bildzeitungsmäßige "s*xueller Missbrauch von Kindern" und Betroffenheitsrhethorik.


Die Botschaft war:


  • "Missbrauch" ist in erster Linie "s*xueller Missbrauch" und geschieht durch den bösen Fremden.

  • "Missbrauch" kann durch Geld verhindert bzw. behoben werden.

  • Sowas gibt es hier ja nicht.


    Daneben wurde wieder mal wieder in bester "Versöhnungsmanier" die Täter- und Opferperspektive verdreht. Für einen Asperger eine Lehrstunde in Gruppenkonsens.


    Viel häufiger ist:


  • "Missbrauch" kann in den unbestreitbar grässlichen Fällen von sexueller Gewalt enden – beginnt aber immer bzw. wir bedingt durch ein Klima emotionaler Gewalt, z. B. Geringschätzung, Mobbing, Krankheit als Waffe etc.

  • Missbrauch kann durch "böse Fremde" verübt werden, geschieht zum größten Teil in den Familien und ist auch Voraussetzung oder Triebkraft, damit die Fassade der Familie erhalten bleibt.

  • Missbrauch kann durch Verwahrlosung begünstigt werden, hat aber primär mit Geld nichts zu tun, sondern mit Verhaltenskodizes, die als Ganzes, ebenso wie die genetische Veranlagung der Einzelmitglieder, vererbt werden. Opfer werden Täter. Missbrauch pflanzt sich fort, immer weiter, u. U. von Generation zu Generation.


    Ich habe versucht, ein paar Informationen anzubringen, inmitten der Betroffenheitslyrik, die bequem ist, weil sie zumeist ohne Konsequenzen bleibt. (Erst reden, dann denken. Ein typisches Aspergerverhalten.) Hätte ich genügend Mitgefühl besessen, wäre mir anscheinend sehr schnell klar geworden, dass das Ziel der Veranstaltung war, etwas gegen Misshandlung zu bewegen, sondern sich berührt zu fühlen. Hätte ich einen Funken gesellschaftliche Scheu besessen, so hätte mich autistische Risikoblindheit überhaupt nicht dazu bewegen können, den Mund aufzutun.

    Angesichts dieses Erlebnisses bin ich mir überhaupt nicht mehr so sicher, ob die angeblich "menschliche" Eigenschaft des Mitleids de facto so erstrebenswert sein sollte, bzw. ob der Asperger in häufigen Mitleidsunfähigkeit im Vergleich zum neurotypischen Spektrum tatsächlich so eingeschränkt ist.

    Ich werde mich um geistliche Beratung bemühen, da ich in dieser Frage aus eigener Kraft erstmal nicht mehr weiter weiß.


    Shakespeare, Richard III.

    "Das wildste Tier ist doch des Mitleids fähig;
    Ich habe keins, und bin darum kein Tier."


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    aspergergermany
    20 November 2007 @ 06:52 pm
    Empathie / Blade Runner  
    Habe einen Science-Fiction-Schundroman namens Cyberskin aus der Bibliothek ausgeliehen, und meiner Neurologin vorgelegt.

    Hab behauptet, es wäre mein neues Lieblingsbuch.

    Eine krude Mischung aus Blade Runner (Menschenjagd) und Running Man (äh … Menschenjagd?)

    Ich soll erst in vier Monaten wiederkommen.

    Häufig gestellte Fragen ...
     
     
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    aspergergermany
    20 November 2007 @ 11:29 am
    Asperger in der Schule und am Arbeitsplatz  
    Frage: Wie kann ich die Situation von Asperger-Individuen in der Schule und am Arbeitsplatz verbessern helfen?

    Hintergrund: Ich mußte eine Broschüre zum Verhalten von Aspergern im Schulunterricht rumschicken, um eine verbesserte Toleranz in der Schule zu erreichen …

    Sagt der Lehrer zum Asperger-Schüler: Ich hab mir die Broschüre zwar durchgelesen, aber gesehen habe ich "es" nicht.

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    aspergergermany
    27 October 2007 @ 11:58 am
    Asperger & Familienleben  
    Frage: Wie kann sich Asperger auf das Familienleben auswirken?

    Um es mit einem Wort zu sagen: Mein Familienleben war der Denver Clan. Die meisten Menschen lieben es, sich „Familiensagas“ im Fernsehen anzuschauen und sich darüber zu amüsieren, wie unsinnig und intrigant sich die einzelnen Gestalten darin verhalten. Wenn man es allerdings am eigenen Leib erlebt, ist es die Hölle. Selbst - im schlechtesten Fall - eine Gruppe voller mobbender Mitschüler/innen bzw. Arbeitskolleg/innen kann dagegen das Paradies sein. Asperger-Familienleben kann einen interessanten und spannenden Familienroman abgeben – solange man nicht selber drinsteckt.

    Die meisten Menschen haben nicht die leiseste Ahnung davon, wie gravierend sich Gefühlsblindheit auf die allerengsten Beziehungen auswirken kann. Anstelle „echter Gefühle“ kann ein unausgesprochenes, aufrechtzuerhaltendes Lügengespinst, ein fein austariertes System ständig wechselnder Allianzen vorliegen. Die einzelnen Familienmitglieder können angehalten sein, dieses System unter allen Umständen zu verteidigen. Wer es bricht, kann mit Ausschluss bedroht sein, und dass, obwohl es so eng ist, dass sich der einzelne unter gar keinen Umständen mehr darin entfalten kann.

    Diese Erfahrung hat der Asperger sicher mit anderen Misshandelten gemeinsam. Also zeigen Sie Verständnis für einen Asperger. Und sehen Sie sich lieber den Denver Clan im Fernsehen an.

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    aspergergermany
    20 October 2007 @ 02:43 pm
    Musik, Sprachverständnis, Empathieprobleme bei Asperger  
    Frage: Schlagermusik. Ja, warum eigentlich hast du den Punkt aufgenommen, dass man keine Schlagerlieder singen darf? Kannst Du das nicht leiden, oder lässt sich das verallgemeinern?

    Möglicherweise ist das eine individuelle Abneigung, aber deutsche Schlagermusik gilt für mich wie eine geballte Ladung Schwachsinn. Englische Schlagermusik verkrafte ich besser, und mag sie sehr gern, weil da erst der Umweg über die Logik ist (das Lied muss erst übersetzt werden, was den Spieltrieb befriedigt) und dann kann man sich über das übersetzte Ergebnis freuen, mit den Worten spielen und muss nicht alles so höchstpersönlich nehmen.

    Ich nehme mal willkürlich ein Lied raus, das ich nicht leiden kann. „Das Spiel“ von Annett Louisan.


    Das Spiel

    Dass Du nicht mehr bist, was Du einmal warst
    seit Du Dich für mich ausgezogen hast,

    dass Du alles schmeißt wegen einer Nacht
    und alles verlierst war so nicht gedacht,

    Du willst mich für Dich und Du willst mich ganz
    doch auf dem Niveau (welches Niveau ?) macht’s mir keinen Spaß.

    Das füllt mich nicht aus, ich fühl mich zu Haus
    nur zwischen den Stühlen.

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Dass Du wegen mir irgendwen verlässt,
    dass Du manchmal weinst, weil es Dich verletzt,

    dass es immer mal jemand andern gibt,
    der sich hier und da in mein Leben schiebt,

    dass Du Dich verliebst, weil Du’s mit mir tust,
    dass es Dich so trifft, hab ich nicht gewusst.

    Es war nie geplant,
    dass Du Dich jetzt fühlst
    wie einer von vielen,

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Dass Du nicht mehr schläfst, weil es Dich erregt
    wenn ich mich beweg’ wie ich mich beweg’,

    dass Du fast verbrennst unter meiner Hand (Metapher!)
    wenn ich dich berühr, hab ich nicht geahnt.

    Hier würde sich der Asperger verletzt fühlen, weil seine seelische Integrität angekratzt ist. Asperger empfinden ihre Gefühle sehr intensiv, „alles oder nichts“. Die Frau hat ihn aufs Tiefste berührt, will sich nicht in ihn verlieben, so dass er sich von ihr im Endeffekt „angelogen“ fühlt. Asperger lieben ihre Individualität über alles und hassen es bis auf den Tod, sich zu fühlen „wie einer von vielen“. Die Frau hätte aus seiner Sicht voraussehen müssen, dass sie ihn kränkt, und hätte ihn aufgrund des Billigkeitsprinzips nicht kränken dürfen. „Ich will doch nur spielen“ ist logisch falsch, weil sie nicht mit ihm ein Spiel spielen will (z. B. Schach) sondern mit ihm schlafen will, was per Definition kein Spiel im konkreten Sinne (Skat, Lego, Schach etc.) ist. „Ich tu doch nichts“ ist logisch falsch, weil sie aus Sicht des Aspergers seine seelische Integrität durcheinander bringen will, was für ihn seelisch sehr belastend sein kann. Sie tut doch etwas, nämlich sein seelisches Gleichgewicht stören, was für ihn eine Gefahr ist, gegen die er sich schützen muss, die er aber aufgrund seiner Naivität nicht erkennen kann.

    Und so weiter. Ich hoffe, du hast das Prinzip verstanden.

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    aspergergermany
    20 October 2007 @ 02:35 pm
    Entschuldigungen / Empathie  
    Frage: Du willst offensichtlich, und zu Recht, dass man Dich versteht und Verständnis für Deine Situation entgegenbringt. Würdest Du im Gegenzug auch dafür Verständnis haben, wenn ich mich aufgrund einer Äußerung von Dir getroffen fühle und das zum Ausdruck bringe?

    Asperger denken in Begriffen von Billigkeit, "tit-for-tat“, „wie du mir, so ich dir“. Und sie können oder wollen sich in den Schmerz anderer nicht reinversetzen, weil sie selber zu viel Schmerz mit sich herumtragen.

    Also wenn du sagst „Jetzt hast du mir aber wehgetan“, verletzt du den Asperger auf 2 Ebenen.

    (1) weil der Asperger nicht empathisch verstehen kann, was er falsch gemacht hat, da er Dinge nur logisch betrachtet. Z. B. wenn man einer Frau sagt, „Dein Kleid passt nicht zu den Schuhen“, dann ist das zwar logisch richtig, aber die Frau will ja etwas anderes hören: „Du bist die schönste Frau der Welt.“ Solche Dinge findet der Asperger „sinnlos“, weil sie aus seiner Sicht nicht der Wahrheit entsprechen. Und ein Asperger findet es außerdem unethisch, andere aus Gefälligkeit anzulügen, weil er einen sehr einfachen Gerechtigkeitsbegriff hat und selber nicht angelogen werden will.
    (2) Weil er es wörtlich nimmt. Der Asperger denkt sehr bildhaft und hat den Gegenüber ja nicht mit einem Messer verletzt oder mit einem Stock geschlagen oder so was. Asperger fühlen sich dann ungerecht behandelt, weil es ihrer Idee vom Billigkeitsprinzip widerspricht. Und dann rasten sie aus. Siehe Wutausbrüche

    Wenn du dich durch einen Asperger beleidigt fühlst, musst du warten, bis er sich fertig ausgetobt hat und dann höflich, freundlich und ohne Bosheit fragen:

    „Findest du es gerecht, wenn …“

    „Wie würde es dir gefallen, wenn…“

    Dann wird der Asperger das auf sich selbst beziehen und im Regelfall einlenken.

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