Der Flug des Phoenix / The Flight of the Phoenix (2004)
Asperger im Film: Der Flug des Phoenix / The Flight of the Phoenix (2004)
RTL unterhielt Deutschland am 2. Weihnachtstag 2007 mit dem Abenteuerfilm „Der Flug des Phoenix“, einem Film im Stile einer zweistündigen McGyver-Episode, indem zwar wenig gefühlt, aber dafür ziemlich viel gebastelt wurde. Eine Crew von Männern (plus eine Quotenfrau) stürzen in der Wüste Gobi ab und sind gezwungen, zu kooperieren, um aus den Trümmerteilen der zweimotorigen Maschine ein einmotoriges Behelfsflugzeug zu bauen. Obwohl „Der Flug des Phoenix“ kein wirklich überragender Film ist, scheint er sich sehr gut dafür zu eignen, die angeblichen oder tatsächlichen Symptome von Asperger einschließlich der in der medizinischen Literatur häufig damit im Zusammenhang beschriebenen „Geschlechtsidentitätsstörung“ (Interessen oder Verhaltensweisen, die häufiger dem jeweils anderen Geschlecht zugeordnet werden), einmal bilderbuchmäßig durchzuexerzieren.

Der Film folgt dem beliebten Thema „Und plötzlich sind wir wieder in der Steinzeit“, bei dem alle Errungenschaften und dekadenten, „überflüssigen Dinge“ der Zivilisation plötzlich hinfällig werden (sollen). Ein Team von „harten Männern“ (plus der besagten Quotenfrau) besteigen ein Flugzeug. Die Ölbohrplattform, auf der sie gearbeitet haben, soll geschlossen werden. In letzter Minute stößt der nervige, überempfindliche Elliot hinzu, ein Typ, der irgendwie nicht dazugehört – durch seine Kritik am Captain, durch seine affektierte Stimme, durch die Wasserstoffblondierung seiner Haare, die in Filmen zumeist Schwuchteln und / oder Bösewichten vorbehalten ist.
Nachdem sie abgestürzt sind, ist er der Einzige, der demonstrativ „nicht im Team spielt“, der sich vor der Arbeit drückt, derjenige, der die Wasserrationen klaut. Wer möchte schon mit so einem zusammenarbeiten? Elliot ist zwar der einzige, der einen Plan zur Rettung entwickelt – aber viel wichtiger ist erstmal, dass die Jungs einen „Führer“ bekommen, da sonst das Chaos losbricht, da sie sich, obwohl sie auf der Ölbohrplattform gearbeitet haben, offensichtlich nicht alleine organisieren können. Um das Drama zu vertiefen, kommen auch die bösen Feinde von außen, eine Horde Hunnen, die sonst alle töten würden und selbst die Leichen verunglückter Teammitglieder als Zielscheiben benutzen. Als „Führer“ der Gestrandeten prädestiniert ist der Captain, Towns, weil er der Pilot ist / war, doch er lehnt diese natürliche Rolle zunächst ab und ergeht sich die erste Stunde des Films in Selbstmitleid. Wahrscheinlich hat er als Transportflieger in solchen Situationen kaum mehr Erfahrung hat als ein Taxifahrer.
Es ist Elliot, der Towns davor warnt, die sinistren Nomaden in der Wüste auf sich aufmerksam zu machen; Elliot, der Towns davor gewarnt hat, dass das Flugzeug überladen war, und der Towns auf seine Verantwortung hingewiesen hatte, die Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Andere Passagiere hocken da und harren auf Befehle, warten gleichsam in der Manier verwöhnter Sozialstaatskinder auf Rettung von oben, „anstatt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.“ Ohne den „Führer“ an Bord wären die Jungs in der Wüste hocken geblieben und hätten sich bis zu ihrem Tode ums Bier geprügelt. Zwar stammt die Vision für die Rettung von dem zart besaiteten, unangenehmen Elliot, der den ganzen Film hindurch hartnäckig das Kommando beansprucht – aber in einer Welt, in der noch / wieder die traditionellen Werte zählen, kann keine Schwuchtel Anführer sein.
Schließlich wird unter Elliots Leitung [aber unter Towns’ formeller Führung] das Flugzeug fertig, wofür Elliot gleich noch mal von der ganzen Mannschaft Dresche bezieht. Schließlich sei Elliot nur gelernter Ingenieur für Spielzeugflugzeuge, nicht aber für Transportmaschinen, da alle ganz genau wissen, die Gesetze der Physik gälten nur für das eine, für das andere hingegen nicht.
Der „Flug des Phoenix“ hatte einen Gesamtmarktanteil von 3,72 Millionen Zuschauern (11,4 %) vor dem Liebesdrama „Titanic“ mit 2,56 Millionen Fernsehzuschauern (9,5 %). In der „werberelevanten Zielgruppe“ der 14- bis 49-jährigen Zuschauer waren beide Filme etwa gleich stark (17,0 % gegenüber 17,2 % für „Titanic“). [1] Sie unterlagen jedoch beide dem Kinderfilm „Der Polarexpress“ [2] mit einem Marktanteil von 20,3 % in der Zielgruppe und 12,3 % beim Gesamtpublikum. [2]
Nach Informationen von Filmstarts.de [3] soll sich der Originalfilm von 1965, in dem in dem Hardy Krüger den schweigsamen Flugzeugbauer verkörperte, stärker mit dem Charakter und der Psyche des exzentrischen Ingenieurs beschäftigen. Es sind halt schlechte Zeiten für Eierköpfe angebrochen. Oder auch nicht.
... Gesamtes Blog
***
[1] http://www.quotenmeter.de/index.php?new sid=24295
[2] http://www.dwdl.de/article/news_13977,0 0.html
[3] http://www.filmstarts.de/produkt/38 024,Der%20Flug%20des%20Phoenix.html
RTL unterhielt Deutschland am 2. Weihnachtstag 2007 mit dem Abenteuerfilm „Der Flug des Phoenix“, einem Film im Stile einer zweistündigen McGyver-Episode, indem zwar wenig gefühlt, aber dafür ziemlich viel gebastelt wurde. Eine Crew von Männern (plus eine Quotenfrau) stürzen in der Wüste Gobi ab und sind gezwungen, zu kooperieren, um aus den Trümmerteilen der zweimotorigen Maschine ein einmotoriges Behelfsflugzeug zu bauen. Obwohl „Der Flug des Phoenix“ kein wirklich überragender Film ist, scheint er sich sehr gut dafür zu eignen, die angeblichen oder tatsächlichen Symptome von Asperger einschließlich der in der medizinischen Literatur häufig damit im Zusammenhang beschriebenen „Geschlechtsidentitätsstörung“ (Interessen oder Verhaltensweisen, die häufiger dem jeweils anderen Geschlecht zugeordnet werden), einmal bilderbuchmäßig durchzuexerzieren.

Der Film folgt dem beliebten Thema „Und plötzlich sind wir wieder in der Steinzeit“, bei dem alle Errungenschaften und dekadenten, „überflüssigen Dinge“ der Zivilisation plötzlich hinfällig werden (sollen). Ein Team von „harten Männern“ (plus der besagten Quotenfrau) besteigen ein Flugzeug. Die Ölbohrplattform, auf der sie gearbeitet haben, soll geschlossen werden. In letzter Minute stößt der nervige, überempfindliche Elliot hinzu, ein Typ, der irgendwie nicht dazugehört – durch seine Kritik am Captain, durch seine affektierte Stimme, durch die Wasserstoffblondierung seiner Haare, die in Filmen zumeist Schwuchteln und / oder Bösewichten vorbehalten ist.
Nachdem sie abgestürzt sind, ist er der Einzige, der demonstrativ „nicht im Team spielt“, der sich vor der Arbeit drückt, derjenige, der die Wasserrationen klaut. Wer möchte schon mit so einem zusammenarbeiten? Elliot ist zwar der einzige, der einen Plan zur Rettung entwickelt – aber viel wichtiger ist erstmal, dass die Jungs einen „Führer“ bekommen, da sonst das Chaos losbricht, da sie sich, obwohl sie auf der Ölbohrplattform gearbeitet haben, offensichtlich nicht alleine organisieren können. Um das Drama zu vertiefen, kommen auch die bösen Feinde von außen, eine Horde Hunnen, die sonst alle töten würden und selbst die Leichen verunglückter Teammitglieder als Zielscheiben benutzen. Als „Führer“ der Gestrandeten prädestiniert ist der Captain, Towns, weil er der Pilot ist / war, doch er lehnt diese natürliche Rolle zunächst ab und ergeht sich die erste Stunde des Films in Selbstmitleid. Wahrscheinlich hat er als Transportflieger in solchen Situationen kaum mehr Erfahrung hat als ein Taxifahrer.
Es ist Elliot, der Towns davor warnt, die sinistren Nomaden in der Wüste auf sich aufmerksam zu machen; Elliot, der Towns davor gewarnt hat, dass das Flugzeug überladen war, und der Towns auf seine Verantwortung hingewiesen hatte, die Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Andere Passagiere hocken da und harren auf Befehle, warten gleichsam in der Manier verwöhnter Sozialstaatskinder auf Rettung von oben, „anstatt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.“ Ohne den „Führer“ an Bord wären die Jungs in der Wüste hocken geblieben und hätten sich bis zu ihrem Tode ums Bier geprügelt. Zwar stammt die Vision für die Rettung von dem zart besaiteten, unangenehmen Elliot, der den ganzen Film hindurch hartnäckig das Kommando beansprucht – aber in einer Welt, in der noch / wieder die traditionellen Werte zählen, kann keine Schwuchtel Anführer sein.
Schließlich wird unter Elliots Leitung [aber unter Towns’ formeller Führung] das Flugzeug fertig, wofür Elliot gleich noch mal von der ganzen Mannschaft Dresche bezieht. Schließlich sei Elliot nur gelernter Ingenieur für Spielzeugflugzeuge, nicht aber für Transportmaschinen, da alle ganz genau wissen, die Gesetze der Physik gälten nur für das eine, für das andere hingegen nicht.
Der „Flug des Phoenix“ hatte einen Gesamtmarktanteil von 3,72 Millionen Zuschauern (11,4 %) vor dem Liebesdrama „Titanic“ mit 2,56 Millionen Fernsehzuschauern (9,5 %). In der „werberelevanten Zielgruppe“ der 14- bis 49-jährigen Zuschauer waren beide Filme etwa gleich stark (17,0 % gegenüber 17,2 % für „Titanic“). [1] Sie unterlagen jedoch beide dem Kinderfilm „Der Polarexpress“ [2] mit einem Marktanteil von 20,3 % in der Zielgruppe und 12,3 % beim Gesamtpublikum. [2]
Nach Informationen von Filmstarts.de [3] soll sich der Originalfilm von 1965, in dem in dem Hardy Krüger den schweigsamen Flugzeugbauer verkörperte, stärker mit dem Charakter und der Psyche des exzentrischen Ingenieurs beschäftigen. Es sind halt schlechte Zeiten für Eierköpfe angebrochen. Oder auch nicht.
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[1] http://www.quotenmeter.de/index.php?new
[2] http://www.dwdl.de/article/news_13977,0
[3] http://www.filmstarts.de/produkt/38
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