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aspergergermany
17 March 2008 @ 09:11 am
Funktionale Stimmstörung  
Es ist immer ein ganz besonderer Tag im Leben jedes jungen Mädchens, wenn die Körperchemie umkippt. Man kann damit ganz wunderbar die Fachverkäufer in jeder Kosmetikabteilung irritieren.

Ebenso wie mit Duftmarken hatte ich in der Vergangenheit immer Probleme mit meiner Stimme, die nie so sanft und lieblich war, wie man von einer Tochter aus gutem Hause erwarten sollte. Ich hatte früher ein bescheidenes Register aber sehr viel Kraft, so dass meine Stimme in den hohen Tönen immer kippte. Meine Mama sagte immer liebevoll zu mir, meine Stimme wäre gähtschig. Meine Musiklehrerin machte sich einen Spaß daraus, mich bei jedem Vorsingen vor der Klasse bloßzustellen, indem sie behauptete, ich hätte eine funktionale Stimmstörung. So bekam ich schließlich die gewünschte funktionale Stimmstörung, indem ich wie alle kleinen Mädchen meinem HNO-Arzt was vorheulte. Mein HNO-Arzt sagte nämlich, er könne keine Krankheit finden. Sowas. Das hatte die lustige Konsequenz, dass ich von nun an die Lieder nur noch ansagen musste während sich nun die anderen mit ihrem Stimmbruch quälten. Ich bekam deswegen im Singen lauter "1" und die anderen nur noch "4" und hatte demzufolge bald die ganze Klasse gegen mich. So funktioniert Behindertenintegration.

Ausgehend von meinem Erlebnis in der Kosmetikabteilung finde ich es ein bisschen unmöglich, dass man uns den Alltagstest laufen lässt ohne das nötige Rüstzeug mitzugeben. Aber mir ist auch verständlich, dass dies gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen würde, und ich möchte mich in jedem Fall an das Gesetz halten.



Das Arzneimittelgesetz
http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/amg_1976/gesamt.pdf

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aspergergermany
11 March 2008 @ 03:46 pm
From a distance  











From a distance
you look
like my friend
even though
we are
at war
from a distance
I can't comprehend
what all this fighting is for

From a distance
there is harmony
and it echoes through the land
it's the hope of hopes
it's the love of loves
it's the heart of every man

God is watching us
from a distance


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aspergergermany
09 March 2008 @ 08:14 pm
Die alternative Art des Hörens  
Ich möchte Ihnen heute die alternative Art des Hörens an einem Beispiel verdeutlichen, auf das mich meine freundlichen Mitbewohner gebracht haben. Dankeschön. Bei Geräuschen hat man nämlich das Problem, dass man schlecht illustrieren kann. Ich habe das Lied gewählt, weil es extrem einfach gestrickt ist und in drei von einander eindeutig abgrenzbare Teile zerlegt werden kann.

Es handelt sich um das konstruiert wirkende Bleeding Love von Leona Lewis. … keep bleeding … keep keep bleeding love … keep bleeding keep keep bleeding 'na Sie wissen schon.

In diesem Lied hören wir drei Dinge:

  • Eine weibliche Singstimme, die eine Feuerwehrsirene nachahmt.


  • Einen dumpfen Beat, der so ähnlich klingt, wie wenn jemand auf ein Metallfass schlägt.


  • Ein elektronisches, am unteren Rand des Hörbaren angesiedeltes dissonantes Trägergeräusch, das klingt wie eine Kreuzung aus dem Summen von Hochspannungsgeräten und einer elektronisch verfremdeten Kirchenorgel. Es wirkt unangenehm und erzeugt deswegen Aufmerksamkeit.

    Neurotypische sind nun wahrscheinlich so gestrickt, dass sie zuerst auf die Stimme achten. Sie hören also wahrscheinlich


    Singstimme
    Trägergeräusch (unhörbar)

    Beat


    Asperger hingegen hören eher so:


    Feuerwehrsirene
    (Singstimme)

    Trafohäuschen
    (Fass)


    Für Autisten ist das, was die Singstimme sagt, das, was zuletzt erschlossen wird. Für sie ist das Trägergeräusch gewissermaßen "Voraussetzung", um die Stimme hören zu können. Da beim Selber-Singen das elektronische Geräusch fehlt, klingt die selbst gesungene Variante langweilig und abgedroschen. Da Neurotypische das Trägergeräusch aber wahrscheinlich "nicht hören", bedeutet es, unter Umständen, dass Sie in Wirklichkeit für das Geräusch eines Trafohäuschens schwärmen könnten und sich anhören könnten wie eine wandelnde Feuerwehrsirene.

    Da sehen Sie mal, wie Sie veralbert werden.

    Asperger haben keinen Humor.

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    aspergergermany
    08 March 2008 @ 10:03 pm
    Weitere Erkrankungen  

    Now that I own the BBC
    What am I supposed to do with this thing?
    Now that I own the BBC
    What am I supposed to make of this thing?




    Quod erat demonstrandum.


    Als ich mit dem Singen fertig war, habe ich in einem Szenecafe zu Abend gegessen. Und dann bin ich nach Hause gegangen. Ich war ein bisschen traurig und ich war ein bisschen neugierig und ich musste Gewißheit haben.

    Ich habe eine CD von meinem Lieblingssänger Jochen Kowalski eingelegt und aus Blödsinn versucht mitzusingen. Früher hat das nie geklappt.

    Dann musste ich daran denken wie ich auf der Treppe stand und gesungen und gesungen habe und nicht wieder aufhören konnte. Dann musste ich an Engel wider Willen denken und dann habe ich Schiss bekommen.

    Wenigstens ist Mutti immer noch die beste Sängerin.

    Der nächste Mistkerl, der behauptet, ich wäre eine Frau, der kann mir Gesellschaft leisten.

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    Current Mood: weird
     
     
    aspergergermany
    08 March 2008 @ 04:34 pm
    Warum Männer WIRKLICH schlecht zuhören  
    Asperger sehen nicht nur mit anderen Augen, sie hören auch auf eine andere Weise.

    Um dies zu verstehen, muss man einen kleinen Ausflug in die Evolutionsbiologie unternehmen. Am Anfang des Hörens stand die Fähigkeit der Kriechtiere, Bodenvibrationen wahrzunehmen. Heutige Menschen, insbesondere Frauen und Kinder, benutzen mit hoher Stimme gesprochene Sprache, um schnell und komplex zu kommunizieren. Viele Frauen sprechen mit höherer Stimme, um kindlicher zu wirken. Am höchsten ist der Schrei von Neugeborenen, dazu bestimmt, die meiste Aufmerksamkeit wecken.

    Asperger stehen in diesem Spektrum je nach individuellem Schicksal irgendwo dazwischen.



    Diesem da
    bin
    ich
    nicht ähnlich.

    ==> Asperger ==>


    Diesem
    bin ich
    irgendwie
    ähnlicher.


    Zudem ist ein Asperger evolutionär darauf getrimmt, zuerst auf Umgebungsgeräusche zu achten, hinter denen sich ein angreifendes oder zu erlegendes Tier verbergen könnte.

    Folglich hört ein Asperger eine Stimme umso besser, je mehr "Begleitgeräusche" sie hat oder wenn die eigene Stimme körperliche Resonanzen auslöst.

    Ich hoffe sehr, dass sich mein Tenor weiter auswächst.

    Ich habe heute das erste Mal meine eigene Stimme gehört.

    Coole Sache das. Ich habe eine Stimme.
    Das was davor war, hat keine Stimme besessen.
    Ich, Ethan, bin das, was hört.
    Wenn Sie etwas dagegegen haben, beweisen Sie mir zunächst, das Sie Sie sind.

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    aspergergermany
    07 March 2008 @ 08:22 pm
    Perverse Mutation  
    Hat zwar nichts direkt mit Asperger zu tun, aber irgendwie in weiteren Zusammenhängen:

    Perverse Mutation bei Mädchen: Stimmvirilisierung durch exogene Androgenzufuhr oder endogen pathologische Hormonproduktion.

    Jetzt weiß ich wenigstens, was ich bin: eine perverse Mutation.

    Schröcklich.

    Und ich dachte immer, wir Deutschen lieben die, die aus einer genetische Veranlagung zum Außergewöhnlichen etwas machen.

    Ein "normaler" Mensch hat etwa eineinhalb Oktaven Stimmumfang. Ich habe inzwischen zwei und ein paar Zerquetschte. Es gefällt mir, ich liebe es inzwischen zu singen.

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    aspergergermany
    20 October 2007 @ 02:43 pm
    Musik, Sprachverständnis, Empathieprobleme bei Asperger  
    Frage: Schlagermusik. Ja, warum eigentlich hast du den Punkt aufgenommen, dass man keine Schlagerlieder singen darf? Kannst Du das nicht leiden, oder lässt sich das verallgemeinern?

    Möglicherweise ist das eine individuelle Abneigung, aber deutsche Schlagermusik gilt für mich wie eine geballte Ladung Schwachsinn. Englische Schlagermusik verkrafte ich besser, und mag sie sehr gern, weil da erst der Umweg über die Logik ist (das Lied muss erst übersetzt werden, was den Spieltrieb befriedigt) und dann kann man sich über das übersetzte Ergebnis freuen, mit den Worten spielen und muss nicht alles so höchstpersönlich nehmen.

    Ich nehme mal willkürlich ein Lied raus, das ich nicht leiden kann. „Das Spiel“ von Annett Louisan.


    Das Spiel

    Dass Du nicht mehr bist, was Du einmal warst
    seit Du Dich für mich ausgezogen hast,

    dass Du alles schmeißt wegen einer Nacht
    und alles verlierst war so nicht gedacht,

    Du willst mich für Dich und Du willst mich ganz
    doch auf dem Niveau (welches Niveau ?) macht’s mir keinen Spaß.

    Das füllt mich nicht aus, ich fühl mich zu Haus
    nur zwischen den Stühlen.

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Dass Du wegen mir irgendwen verlässt,
    dass Du manchmal weinst, weil es Dich verletzt,

    dass es immer mal jemand andern gibt,
    der sich hier und da in mein Leben schiebt,

    dass Du Dich verliebst, weil Du’s mit mir tust,
    dass es Dich so trifft, hab ich nicht gewusst.

    Es war nie geplant,
    dass Du Dich jetzt fühlst
    wie einer von vielen,

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Dass Du nicht mehr schläfst, weil es Dich erregt
    wenn ich mich beweg’ wie ich mich beweg’,

    dass Du fast verbrennst unter meiner Hand (Metapher!)
    wenn ich dich berühr, hab ich nicht geahnt.

    Hier würde sich der Asperger verletzt fühlen, weil seine seelische Integrität angekratzt ist. Asperger empfinden ihre Gefühle sehr intensiv, „alles oder nichts“. Die Frau hat ihn aufs Tiefste berührt, will sich nicht in ihn verlieben, so dass er sich von ihr im Endeffekt „angelogen“ fühlt. Asperger lieben ihre Individualität über alles und hassen es bis auf den Tod, sich zu fühlen „wie einer von vielen“. Die Frau hätte aus seiner Sicht voraussehen müssen, dass sie ihn kränkt, und hätte ihn aufgrund des Billigkeitsprinzips nicht kränken dürfen. „Ich will doch nur spielen“ ist logisch falsch, weil sie nicht mit ihm ein Spiel spielen will (z. B. Schach) sondern mit ihm schlafen will, was per Definition kein Spiel im konkreten Sinne (Skat, Lego, Schach etc.) ist. „Ich tu doch nichts“ ist logisch falsch, weil sie aus Sicht des Aspergers seine seelische Integrität durcheinander bringen will, was für ihn seelisch sehr belastend sein kann. Sie tut doch etwas, nämlich sein seelisches Gleichgewicht stören, was für ihn eine Gefahr ist, gegen die er sich schützen muss, die er aber aufgrund seiner Naivität nicht erkennen kann.

    Und so weiter. Ich hoffe, du hast das Prinzip verstanden.

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