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aspergergermany
23 February 2008 @ 12:57 pm
Neuroethik - Eine neue Wissenschaft  
In der so Autismus-typischen Disziplin "Wissen, das die Welt nicht braucht" bin ich auf eine neue Wissenschaft gestoßen, die im angeblich so scharfen Grenzbereich zwischen "harten" Naturwissenschaften und "schwammigen" Geisteswissenschaften im Verborgenen blüht. Die Neuroethik untersucht, praktisch ausgedrückt, ob es beispielsweise richtig ist, Aspergern Ritalin zu geben bzw. andere Patienten mit Psychopharmaka vollzustopfen, damit sie gesellschaftlich "funktionieren".

Ein interessanter Blogeintrag, den ich gefunden habe, beschäftigt sich mit der Frage anhand des Inselbegabten Kim Peek (irgendwie ein Bruder im Geiste) und vergißt auch nicht, den bereits hier genannten Blade Runner-Autor Philip K. Dick zu erwähnen.

Habe zum Dritten einen WDR-Beitrag über das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom angeschaut, den ich als sehr tendenziös empfand. In dieser Sendung wurden u. a. betroffene Kinder mit der Videokamera begleitet. Da man ADS [und Asperger] von außen nicht ansehen kann, konnte man damit u. U. bei Lieschen Müller den Eindruck erwecken, dass man hier "gesunde Kinder" mit Medikamenten quäle, als Folge einer gigantischen Weltverschwörung der Hersteller von Ritalin. Anscheinend könne man keine Unterschiede im Gehirn von ADS-Betroffenen und Neurotypischen entdecken. Was ist aber, wenn die Medizin von einem falschen Ansatz ausgeht? Das Gehirn scheint ja in Analogie eher dem Internet zu entsprechen und weniger einer Chemiefabrik. Bits und Bytes sind nicht körperlich, dennoch existieren sie. Die Tatsache, dass Sie jetzt ein Hilfsmittel benutzen, das auf Bits und Bytes basiert, macht die Existenz der Bits und Bytes evident.

ADS/Asperger/Autismus ist erst ab Anfang der 1990er bis in die 2000er ganz allmählich ins öffentliche Bewußtsein gelangt in der Folge des Versuches, Ritalin in den Markt zu drücken. Für mich kam diese Hilfe zehn Jahre zu spät. Obwohl ich Medikamente aus ethischen Gründen ablehnen würde, ist es nur dem Marketingfeldzug für Ritalin zu verdanken, dass [auch] ich nicht länger mit dem Problem ohne Namen im stillen Kämmerlein leben muß, sondern überhaupt als Asperger sprechen kann. Was war also zuerst da, das Ei oder die Henne? Schadet das kapitalistische Interesse der Pharmaunternehmen den Betroffenen, oder ist es hilfreich für sie?

Neuroethik
http://de.wikipedia.org/wiki/Neuroethik

Ethische Fragen zur Behandlung von Autismus-Betroffenen
http://www.mindsharing.de/blog/2007/08/29/inselbegabung-und-neuroethik/

WDR-Infos über ADS
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0219/004_adhs.jsp

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