Home

Advertisement

aspergergermany
09 March 2008 @ 08:14 pm
Die alternative Art des Hörens  
Ich möchte Ihnen heute die alternative Art des Hörens an einem Beispiel verdeutlichen, auf das mich meine freundlichen Mitbewohner gebracht haben. Dankeschön. Bei Geräuschen hat man nämlich das Problem, dass man schlecht illustrieren kann. Ich habe das Lied gewählt, weil es extrem einfach gestrickt ist und in drei von einander eindeutig abgrenzbare Teile zerlegt werden kann.

Es handelt sich um das konstruiert wirkende Bleeding Love von Leona Lewis. … keep bleeding … keep keep bleeding love … keep bleeding keep keep bleeding 'na Sie wissen schon.

In diesem Lied hören wir drei Dinge:

  • Eine weibliche Singstimme, die eine Feuerwehrsirene nachahmt.


  • Einen dumpfen Beat, der so ähnlich klingt, wie wenn jemand auf ein Metallfass schlägt.


  • Ein elektronisches, am unteren Rand des Hörbaren angesiedeltes dissonantes Trägergeräusch, das klingt wie eine Kreuzung aus dem Summen von Hochspannungsgeräten und einer elektronisch verfremdeten Kirchenorgel. Es wirkt unangenehm und erzeugt deswegen Aufmerksamkeit.

    Neurotypische sind nun wahrscheinlich so gestrickt, dass sie zuerst auf die Stimme achten. Sie hören also wahrscheinlich


    Singstimme
    Trägergeräusch (unhörbar)

    Beat


    Asperger hingegen hören eher so:


    Feuerwehrsirene
    (Singstimme)

    Trafohäuschen
    (Fass)


    Für Autisten ist das, was die Singstimme sagt, das, was zuletzt erschlossen wird. Für sie ist das Trägergeräusch gewissermaßen "Voraussetzung", um die Stimme hören zu können. Da beim Selber-Singen das elektronische Geräusch fehlt, klingt die selbst gesungene Variante langweilig und abgedroschen. Da Neurotypische das Trägergeräusch aber wahrscheinlich "nicht hören", bedeutet es, unter Umständen, dass Sie in Wirklichkeit für das Geräusch eines Trafohäuschens schwärmen könnten und sich anhören könnten wie eine wandelnde Feuerwehrsirene.

    Da sehen Sie mal, wie Sie veralbert werden.

    Asperger haben keinen Humor.

    Das Blog
  •  
     
    aspergergermany
    07 February 2008 @ 11:12 pm
    Die Gesprächsführung und das Internet  
    Das Klischee besagt, Gespräche zwischen Männern und Frauen würden scheitern, weil Männer an Fakten interessiert seien und Frauen über Gefühle reden würden...

    Versuchen Sie sich diese Situation einmal vorzustellen.

    Und dann drehen Sie die Rollenvorstellung um.

    Mehr )
     
     
    Current Mood: crushed
     
     
    aspergergermany
    20 October 2007 @ 02:43 pm
    Musik, Sprachverständnis, Empathieprobleme bei Asperger  
    Frage: Schlagermusik. Ja, warum eigentlich hast du den Punkt aufgenommen, dass man keine Schlagerlieder singen darf? Kannst Du das nicht leiden, oder lässt sich das verallgemeinern?

    Möglicherweise ist das eine individuelle Abneigung, aber deutsche Schlagermusik gilt für mich wie eine geballte Ladung Schwachsinn. Englische Schlagermusik verkrafte ich besser, und mag sie sehr gern, weil da erst der Umweg über die Logik ist (das Lied muss erst übersetzt werden, was den Spieltrieb befriedigt) und dann kann man sich über das übersetzte Ergebnis freuen, mit den Worten spielen und muss nicht alles so höchstpersönlich nehmen.

    Ich nehme mal willkürlich ein Lied raus, das ich nicht leiden kann. „Das Spiel“ von Annett Louisan.


    Das Spiel

    Dass Du nicht mehr bist, was Du einmal warst
    seit Du Dich für mich ausgezogen hast,

    dass Du alles schmeißt wegen einer Nacht
    und alles verlierst war so nicht gedacht,

    Du willst mich für Dich und Du willst mich ganz
    doch auf dem Niveau (welches Niveau ?) macht’s mir keinen Spaß.

    Das füllt mich nicht aus, ich fühl mich zu Haus
    nur zwischen den Stühlen.

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Dass Du wegen mir irgendwen verlässt,
    dass Du manchmal weinst, weil es Dich verletzt,

    dass es immer mal jemand andern gibt,
    der sich hier und da in mein Leben schiebt,

    dass Du Dich verliebst, weil Du’s mit mir tust,
    dass es Dich so trifft, hab ich nicht gewusst.

    Es war nie geplant,
    dass Du Dich jetzt fühlst
    wie einer von vielen,

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts

    Ich will doch nur spielen uhuuuuu...
    Ich tu doch nichts.

    Dass Du nicht mehr schläfst, weil es Dich erregt
    wenn ich mich beweg’ wie ich mich beweg’,

    dass Du fast verbrennst unter meiner Hand (Metapher!)
    wenn ich dich berühr, hab ich nicht geahnt.

    Hier würde sich der Asperger verletzt fühlen, weil seine seelische Integrität angekratzt ist. Asperger empfinden ihre Gefühle sehr intensiv, „alles oder nichts“. Die Frau hat ihn aufs Tiefste berührt, will sich nicht in ihn verlieben, so dass er sich von ihr im Endeffekt „angelogen“ fühlt. Asperger lieben ihre Individualität über alles und hassen es bis auf den Tod, sich zu fühlen „wie einer von vielen“. Die Frau hätte aus seiner Sicht voraussehen müssen, dass sie ihn kränkt, und hätte ihn aufgrund des Billigkeitsprinzips nicht kränken dürfen. „Ich will doch nur spielen“ ist logisch falsch, weil sie nicht mit ihm ein Spiel spielen will (z. B. Schach) sondern mit ihm schlafen will, was per Definition kein Spiel im konkreten Sinne (Skat, Lego, Schach etc.) ist. „Ich tu doch nichts“ ist logisch falsch, weil sie aus Sicht des Aspergers seine seelische Integrität durcheinander bringen will, was für ihn seelisch sehr belastend sein kann. Sie tut doch etwas, nämlich sein seelisches Gleichgewicht stören, was für ihn eine Gefahr ist, gegen die er sich schützen muss, die er aber aufgrund seiner Naivität nicht erkennen kann.

    Und so weiter. Ich hoffe, du hast das Prinzip verstanden.

    Weitere Fragen ...
     
     
     
     

    Advertisement